„Gemeinsam mit unseren kranken, depressiven, verschuldeten und gesellschaftlich gering geschätzten Bewohnern wollen wir erfolgreich sein.“ – So formuliert es Caritas-Sozialarbeiterin Isolde Mayr im Jahresbericht des Hartlauerhofes.
Im Hartlauerhof der Caritas für Menschen in Not in Asten haben wohnungslose Männer für eine befristete Zeit einen Wohn- und Lebensraum. Erfolgreich sein bedeutet, den Bewohnern Sicherheit, Gemeinschaft, Beschäftigung und Wertschätzung zu bieten. Und das in einer Gesellschaft, in der die soziale Luft vielfach dünner wird, weil sich der Staat aus sozialen Aufgaben zurückzieht und vieles an den Einzelnen delegiert.
Freunde der Caritas
Mit großzügiger Unterstützung der „Freunde der Caritas“, einer Gruppe von Persönlichkeiten aus Kirche, Politik und Wirtschaft, die Anneliese Ratzenböck leitet, konnte der Hartlauerhof im Jahr 2002 die drei Hausbewohner-Wohngemeinschaften renovieren. Schmerzvoll war im gleichen Jahr aber die Einstellung der caritas-eigenen Tischlerei „Ergon“ und des dort angeschlossenen Beschäftigungsprojektes. Denn der Hartlauerhof hat immer eine Kombination von Wohnen, Arbeiten und Betreuung angeboten. Schon einige Zeit davor wurde eine Tagesstruktur aufgebaut. Es zeigte sich nämlich, dass die Zahl mehrfach beeinträchtigter und kaum auf den ersten Arbeitsmarkt vermittelbarer Bewohner zunahm.
Die Betreuungs-Aufgabe am Hartlauerhof verschob sich dadurch in Richtung Unterstützung bei alltagspraktischen Angelegeheiten. „Fragen der richtigen Ernährung haben nun mehr Gewicht als die Unterstützung beim Abfassen von Bewerbungsunterlagen“, steht im Jahresbericht. Das Hartlauerhof-Kulturprojekt „Randmarken“ (die Kirchenzeitung berichtete mehrmals darüber, zuletzt in Nr. 13 im Zusammenhang mit dem Projekttag „Leben am Rand“ im Petrinum) hat Wohnungslose auf eine ganz ungewöhnliche Weise einen ungewohnten Raum einnehmen lassen: An den Rand gedrängte Menschen rücken mit kreativen und überraschenden Ideen einmal in den Mittelpunkt!
Die meisten Bewohner des Hartlauerhofes haben körperliche Beeinträchtigungen und psychische Erkrankungen (meist in Zusammenhang mit langjährigen Alkoholerkrankungen). Oft sind sie nicht in der Lage, selbstständig zum Arzt zu gehen, zu Fuß einzukaufen oder sich zu merken, ob sie die Miete bereits bezahlt haben. Kommen sie ins Spital, besucht sie keiner, merkt der Jahresbericht 2002 an.
„Mosaik“ hilft Wohnungslosen
Auch die „Wohnungslosenhilfe Mosaik“ in Vöcklabruck meldet für das abgelaufene Jahr 2003 einen starken Anstieg der Beratungs- und Betreuungsdienste. Die beiden Bereiche, die am stärksten gewachsen sind, sind das Angebot einer Notwohnung für Frauen (+ 143%) und die Delogierungsverhinderung (67 %). Die Klienten werden immer jünger, stellt Mag. Stefan Hindinger, Leiter der Wohnungslosenhilfe, fest.
Zur Sache
Hartlauerhof
Eine der Einrichtungen der Caritas für Menschen in Not ist der Hartlauerhof in Asten. Auch ihm kommt die Caritas-Haussammlung zugute. Er bietet zwölf wohnungslosen Männern Platz. Bei akuter Alkoholabhängigkeit soll vor einer Aufnahme eine Entwöhnung gemacht werden.