„Die Jugendlichen, die zu uns kommen, haben nicht bekommen, was sie bräuchten: Zeit, Grenzen, Kontakt, Geborgenheit.“ Sozialarbeit heißt damit, das verlorene Gefühl für die Rolle in der Gesellschaft wieder finden helfen.
Das sozialpädagogische Jugendwohnheim Wegscheid ist eine Einrichtung, die Chancen für Jugendliche mit verpatzter Jugend verbessert. Alois Brandstätter, dessen Kurzbeschreibung des Zustands eines Teils unserer Jugend eingangs zitiert ist, leitet das Wohnheim. Er ist überzeugt, dass solche Einrichtungen viel mehr Jugendliche bräuchten. Aber es werden zu wenig Mittel zur Verfügung gestellt.Einer, der eine Chance bekommen hat, ist Patrick. Der 1989 in Linz geborene Jugendliche hat in jungen Jahren eine Karriere nach unten hinter sich, die im Hinauswurf aus seiner Schule mündete. Nachdem dabei aber schon die Türen hinter einer „sozialpädagogischen Klasse“ zuflogen, schrillten bei der Mutter die Alarmglocken. In der sozialpädagogischen Klasse war er wegen seiner Probleme, Autoritäten anzuerkennen und sich einzufügen. Er fand im Jugendwohnheim Aufnahme. Dort zog er ein mit der Einstellung: „Das Scheißheim interessiert mich nicht!“
Ausbildung inklusive
Und doch hat sich Patrick relativ schnell gefestigt. Heute – er ist nun sieben Monate hier – ist er auch ein guter Schüler in der Schule, die zum Wohnheim gehört. Er möchte Schlosser werden. Das Jugendwohnheim bildet Jugendliche in der eigenen Bäckerei, Konditorei, Tischlerei und Schlosserei aus. Sein Berufswunsch kann also Wirklichkeit werden und vielleicht kann er auch nach dem ersten Lehrjahr, das im Herbst 2004 beginnt, die Lehre draußen fortsetzen.
Respektlos
„Ich hatte keinen Respekt vor Erwachsenen. Von ihnen habe ich mir gar nichts sagen lassen“, erzählt Patrick. Das muss(te) er im Jugendwohnheim lernen. Bevor er hierher kam, ist er im Unterricht einfach aufgestanden und hinausgegangen, er ist schnell aggressiv geworden und hat Schlägereien begonnen. Was er sich dabei dachte? – „Dass ich ein ganz normaler Mensch bin, wie andere auch.“ Die Umwelt sah das anders. Im Jugendwohnheim ist der Tagesablauf geregelt. Grenzen setzen ist eine wichtige pädagogische Aufgabe. Eine Grenze heißt: 21 Uhr Bettruhe. Eine andere: Kein Alkohol! Vorher war die Freiheit oder die Wurstigkeit oft grenzenlos. Und sie war eine aggressive Freiheit. Schon im Kindergarten war das so, erinnert sich Patrick. Schließlich wurde er im Kindergarten medikamentös eingestellt. Durch das Erleben von Grenzen und Angenommensein lernt Patrick nun seine Rolle in der Gesellschaft neu. „Ich wollte immer ich sein, ich bin ein lebensfroher Mensch“, sagt er. Und das Heim hilft ihm, Ich zu werden.
Im Jugendwohnheim werden Mädchen und Burschen in gemischten Wohngruppen bis zur Volljährigkeit betreut. Eine eigene Schule und Lehrmöglichkeiten sowie ein umfangreiches Freizeitprogramm unterstützen das Ziel, die Jugendlichen in allen Lebensphasen zu begleiten. Zu den Einrichtungen des Jugendwohnheimes gehört auch die Gruppe „Struppi“ (Strukturierte pädagogische psychotherapeutische Intensivgruppe) mit einer geringen Zahl von Jugendlichen und hoher Betreuungsdichte. Ein weiteres Angebot ist die „Jugendfamilie“, die Jugendliche in der Schwangerschaft begleitet und bei der Übernahme von Mutter- bzw. Vaterrolle unterstützt. Die Palette wird ergänzt duch eine ausgelagerte Wohngruppe, den Erlebnishof Laussa in der Abgeschiedenheit vom Alltag und die Buschschule Namibia.