Auch das ist Firmvorbereitung: An einem der drei Firmwochenenden gingen die Firmlinge der Betriebsseelsorge VOEST in die Nachtschicht und erlebten die Arbeitsbedingungen, z. B. am Hochofen.
Die Firmlinge der „VOEST-Pfarre“ gingen in die Nachtschicht – nicht in die gleichnamige Disco, sondern ins Stahlwerk.
Kurz vor 22 Uhr herrscht in der Christlichen Betriebsgemeinde am Rande des VOEST-Geländes noch buntes Treiben: Neun Firmkandidat/innen rüsten sich, um in die Nachtschicht zu gehen. Helme, Schutzbrillen und Arbeitsmäntel nur für eine Besichtigung? Der Bus steht schon bereit. „Herzlich willkommen bei Rupert-Tours“, begrüßt Werkspfarrer Rupert Granegger seine Fahrgäste. Erste Station ist die Kokerei.
Im Schichtbetrieb
Boing! Mit dem Helm stoße ich gegen einen Mauervorsprung. Die Frage nach seinem Sinn hat sich beantwortet! Die Schuhe stehen im Kohlenstaub. Alle tragen hier einen Helm, auch der Vorarbeiter, der uns begrüßt. Seit rund 20 Jahren arbeitet er im 4er-Schichtbetrieb. Mit dem Ausschlafen habe er mittlerweile Probleme, sagt der Schichtler. Dabei ist höchste Konzentration bei der Arbeit gefordert, besonders für den Fahrer der Maschine, welche die Kokereiöfen entleert: um den Kollegen nicht zu gefährden, der am unteren Teil der Anlage arbeitet. Er schiebt die glühende, in Koks verwandelte Kohle, die mit Wasser gelöscht wird, aus dem Ofen: Staub und Dampf machen sich breit und „es stinkt“.
Am Hochofen
Kohlenstaub begleitet den weiteren Weg des Kokses: Ein 500 Meter langes Förderband hoch über dem VOEST-Hafen bringt das Brennmaterial und an ihm entlang die Firmgruppe zu den Hochöfen. Hier wird aus Erz, Schrott, Luft und Koks Roheisen gemacht. „Das Prinzip ist relativ einfach: Oben kommt’s rein und unten kommt’s raus“, erfahren wir im Leitstand. Am Abstich selbst arbeiten vier Männer. Fast jede Stunde wird er aufgebrochen und der Ausfluss teilt sich in Schlacke und Eisen. In der Zeit zwischen den Abstichen machen die Arbeiter eine kurze Pause, um sich von der Arbeit in der Hitze zu erholen, doch bald müssen sie die Rinnen ausputzen und für den nächsten Abstich vorbereiten. In ihren alubesetzten Mänteln mit den Visierhelmen sehen sie außerirdisch aus. Gar nicht mehr komisch aber ist es, diesen Schutz anzulegen. „Das ist voll schwer“, meint die Firmkandidatin, die es ausprobiert hat. Dazu kommt die Hitze am Hochofen, der mit Wasser gekühlt wird.
Im und mit Wasser arbeitet auch die Betriebsfeuerwehr, die nächste Station in der Nachtschicht der Firmlinge. Das Hinabrutschen an einer Stange und die Löschzüge sind die größte Attraktion. Fast 100 Männer arbeiten hier im 12-Stunden-Schichtdienst. Rechnet man aber pro Schicht, sind es nur 17 – nicht viele. Überhaupt hört man den Satz: „Früher waren wir mehr“ oft in den Gesprächen mit den Arbeitern. 9.400 Mitarbeiter/innen sind es heute. Weniger Arbeiter leisten mehr als früher, denn die Kapazitäten steigen. Das liegt auch an den immer neuen Maschinen. Im Warmwalzwerk, wohin der Weg die Firmlinge führt, stehen schon neue Walzlager bereit. Die Walzen werden eben gewechselt – wie alle paar Stunden. Es sieht gefährlich aus, als der Arbeiter zwischen die riesigen öligen Maschinenteile steigt. Fast steril sauber ist es im Kontrast dazu in der neuen Feuerverzinkung. Die spaceige Bildschirmdame, welche die Besucher dort auf ihrem Weg durch das Werk begleitet, sorgt mit ihrer Gestik für Unterhaltung. Sie erklärt, wie die Stahlbleche hier verzinkt werden und dass 90 Prozent davon für die Autoindustrie bestimmt sind. Zumindest theoretisch könne die Anlage von einer Hand voll Mitarbeitern betrieben werden. Eine Bedrohung von Arbeitsplätzen?
Eigene Polizei
Beim Werkschutz, der als firmeneigene „Polizei“ die Innovationen bewacht, meldet sich die Gruppe ab. Vor dem Frühstück um halb sechs heißt es aber waschen, denn der Staub klebt in Gesichtern und Handflächen. Die Erinnerungen der Firmgruppe an diese Nachtschicht in der VOEST bleiben jedoch länger haften als der Schmutz.