Die Seelsorger des Alten Testaments trauten Gott gerade in Krisenzeiten viel zu, betont Prof. Johannes Marböck.
„Der Gott des kleinen Israel ist und bleibt der schöpferische Gott, von dem immer noch und immer wieder etwas Schöpferisches ausgeht.“ Der Professor für Altes Testament Dr. Johannes Marböck stellte beim 36. bayerischen-österreichischen Seelsorger/innen-Treffen im Stift Reichersberg Prophetentexte aus dem 6. und 5. Jahrhundert vor Christus in den Mittelpunkt. Diese stammten aus den dunkelsten Zeiten Israels, als das Volk in Gefangenschaft lebte. Trotzdem, so Marböck, haben die Seelsorger damals mit wachem Auge und mit offenem Blick beobachtet, was sich in der Welt tat, und es ist ihnen gelungen, hinter der Ohnmacht, hinter dem Fall der Stadt Jerusalem und hinter dem Aufstieg der Perser ihren Gott am Werk zu sehen. Marböck zeigte dies vor allem anhand von Texten aus dem Buch Jesaja, 40 – 55, sowie von Texten der Propheten Jeremia und Ezechiel auf. In den Psalmen schließlich fände dieses Wirken Gottes Antwort im Gebet der Menschen.
Für Marböck stellt sich aus diesen Prophetentexten die Frage, „wie wir selber vom Gott unserer Zeit und unseres Lebens denken: Glauben wir, dass auch die Geschichte Jesu Christi und der Kirche noch längst nicht am Ende ist?“ Die Möglichkeiten wären groß, „wenn Kirche nicht nur wehleidig oder nostalgisch zurückblickt, sondern aus der eigenen Erfahrung, dass sie immer wieder gerettet wurde durch ihren Gott, auch heute demütig und bescheiden in Wort und Tat vom Gott des Lebens für alle Zeugnis ablegt.“