Seit dem jüngsten Ausbruch der Gewalt im Westen des Sudan sind rund eine Million Menschen auf der Flucht, eine riesige Hungersnot droht. Und derzeit wird geprüft, ob das Vorgehen der Regierung in Khartum in den letzten drei Monaten als „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ einzustufen ist. Dann gibt es noch den Krieg im Süden, der seit drei Jahrzehnte andauert. Es ist deshalb unfassbar, dass in der vergangenen Woche auf Vorschlag afrikanischer Staaten ausgerechnet der Sudan in die UN-Menschenrechtskommission gewählt wurde. Ein Land, das die Menschenrechte mit Füßen tritt, sitzt in jenem Gremium, das über die Einhaltung der Menschenrechte wachen soll. Noch absurder ist aber: all das kann passieren, weil die europäischen Staaten sich einem derart schamlosen Spiel mit den Menschenrechten nicht widersetzen.
Walter Achleitner
Eine Extra-Meile
An die Bergpredigt erinnerte der Vorsitzende der irischen Bischofskonferenz Sean Brady in diesen Tagen die nordirischen Politiker. Nach dem Wort Jesu „Wenn dich einer zwingt, eine Meile mit ihm zu gehen, dann gehe zwei mit ihm“, sollten die Politiker eine „Extra-Meile“ für den Frieden einlegen. Das Volk hätte mit seiner Zustimmung zum Karfreitags-Abkommen längst Ja zum Frieden gesagt, die Politiker waren aber bisher nicht bereit, außerordentliche Anstrengungen zu unternehmen, um die Folgen des Misstrauens und der blutigen Konfrontation zu überwinden. Einer außerordentlichen Kraftan- strengung bedürfte es auch in Österreich, um der steigenden Arbeitslosigkeit entgegenzuwirken. Sie ist die Quelle für viel Leid und Armut. Doch die nötige „Extra-Meile“ ist nicht in Sicht.