Ausgabe: 2004/20, Rosanna, Ordenskongregation, Papst, Frauen
11.05.2004
- Kirchenzeitung der Diözese Linz
Die Ernennung von Sr. Enrica Rosanna zur Vizesekretärin der Ordenskongregation gilt als Überraschung. Sie ist die erste Frau in einer Leitungsposition an der vatikanischen Kurie.
Auch wenn Sr. Enrica Rosanna offiziell „Sekretärin“ heißt, so ist die 66-jährige Ordensfrau dennoch die „Nummer Drei“ in der Ordenskongregation. Mit ihrer Berufung vom 25. April hat der Papst erstmals eine Frau an die Spitze eines päpstlichen Ministeriums geholt, sogar eines der ganz großen an der römischen Kurie. „Dieser Ruf war für mich eine Überraschung“ sagte Sr. Rosanna, „wie eines der täglichen Wunder, die uns Don Bosco zu lieben gelehrt hat.“ Dabei bringt die Don Bosco Schwester (FMA) alle Voraussetzungen mit, die an diese „Spitzenaufgabe“ gestellt werden. Elf Jahre lang war die Professorin für Religionssoziologie Rektorin an der Päpstlichen Fakultät für Erziehungswissenschaften „Auxilium“. Da sammelte sie Erfahrung als Managerin und lernte Mitarbeiter zu führen. Zwei der wesentlichen Aufgaben für die Vizesekretärin, die sozusagen als Geschäftsführerin der Kongregation gilt. Die im norditalienischen Busto Arsizio geborene Schwester ist heuer bereits die vierte Frau, die in einen bislang Männern vorbehaltenen Bereich einzieht. Gerade in der Ordenskongregation, die für weltweit 200.000 Männer und 800.000 Frauen zuständig ist, wurde das schon lange gefordert, besonders nach den Berichten über angeblichen sexuellen Missbrauch von Nonnen durch Geistliche vor drei Jahren. Mehrfach war damals Kritik laut geworden, dass an höchster Stelle keine Frau für Anliegen von Frauen zur Verfügung stünde. Walter Achleitner