Noten – ja oder nein? Betreuung am Nachmittag, aber wie und von wem? 40 Stunden-Anwesenheitspflicht für Lehrer/innen in der Schule – ist das gescheit? Kleine Schulen zusammenlegen?... – Die Schuldiskussion kommt knapp vor Schulschluss wieder in Schwung. Meist liegen die Positionen aber gar nicht so weit auseinander.
Dass Schüler/innen mitunter eine Nachmittagsbetreuung brauchen, streitet kein Bildungspolitiker ab. „Soviel Betreuung wie nötig, soviel Freizeit wie möglich“ sagt Peter Grassnigg vom SLÖ (sozialdemokratische Lehrer/innen). Er bevorzugt Ganztagsschulen, schätzt aber ein, dass es wegen fehlender Schüler nur vereinzelt zu Gründungen kommen wird. Fritz Enzenhofer vom CLV (christliche Lehrer/innen) unterstützt Bildungsministerin Elisabeth Gehrer, die die schulbezogene Nachmittagsbetreuungen um 20 Prozent ausbauen will. Bei Wahlfreiheit von Eltern und Kindern hieße das Plätze für 10.000 Kinder.
Am Nachmittag in der Schule
Schüler/innen, Eltern und Lehrer/innen haben verschiedene Ansprüche
Im Mai halten Pflichtschullehrer/innen traditionell ihre Zusammenkünfte ab. Zur Generalversammlung des Christlichen Lehrervereins (CLV) am 5. Mai im Linzer Design-Center kamen die weitaus meisten.
Ein Reformpapier „Bildung“ der SPÖ reizte heuer die CLV-Spitze zum Widerspruch. Sind 40 Stunden verpflichtende Lehreranwesenheit in der Schule sinnvoll oder ist sie eine Hintertür für die Ganztagsschule? Ist es gescheit, Schulen zusammenzulegen, wenn sie weniger als 300 Schüler/innen besuchen, oder droht damit der Ruin der pädagogischen Nahversorgung? (90 % der 873 Pflichtschulen in OÖ. haben weniger als 300 Schüler/innen!) Der Sozialdemokratische Lehrerverein SLÖ bezeichnet das SPÖ-Papier, worauf sich der CLV in seiner Kritik stützt, als überholt. Was bleibt, sind kaum divergierende Positionen, vielleicht „ideologische Einbunkerungen“, wie der SLÖ mutmaßt. Zum Beispiel die Nachmittagsbetreuung: In den Ballungsräumen sieht HD Peter Grassnigg, Landesvorsitzender der sozialdemokratischen Lehrer/innen kaum mehr Bedarf an Ganztagsschulen. Am Land sei es von Ort zu Ort veschieden, Ganztagsschulen aber kein Thema. Hortähnliche Einrichtungen schon, gerade für Volksschüler. Von 835.000 Pflichtschüler/innen haben 135.600 eine Betreuung, für weitere 46.500 melden Eltern Betreuungswünsche. Etwa die Hälfte wünsche sich Schulbetreuung. CLV-Obmann Fritz Enzenhofer unterstützt den Vorstoß „Schule nach Maß“ von Ministerin Elisabeth Gehrer zur Ausweitung der flexiblen und freiwilligen Nachmittagsbetreuung: „Dort, wo Eltern das Angebot brauchen, soll es auch zur Verfügung gestellt werden“. Das brauche auch die notwendigen Ressourcen. Qualitätsvolle Nachmittagsbetreuung erfordere hundertprozentigen Einsatz und sei keine Nebenbeschäftigung. Eine Anhebung der Lehrverpflichtung (FPÖ-Vorschlag) oder ein Absitzen der 40-stündigen Wochendienstzeit in der Schule, lehnt er ab. Ernst Gansinger