„Weiberwirtschaft“ ist anders. Davon sind die Absolventinnen des ersten Kurses der Frauenakademie überzeugt.
Frauenbildung hat in der Katholischen Sozialakademie (KSÖ) eine lange Tradition. Um diesen Schwerpunkt zu verstärken, wurde vor zwei Jahren die KSÖ-Frauenakademie gegründet. Um berufstätigen Frauen einen intensiven Bildungsweg zu ermöglichen, wurde ein neuer zweijähriger Lehrgang mit neun, meist zweitägigen Modulen entwickelt. „Beim Thema für den ersten Kurs waren wir uns rasch einig, dass wir den Schwerpunkt auf die Wirtschaft und die wirtschaftliche Kompetenz von Frauen setzen wollen“, berichtet die Akademieleiterin Doris Appel. „Dahinter stand die Erfahrung, dass auch bei durchaus selbstbewussten Frauen das Zutrauen in das eigene Urteil und die eigenen Fähigkeiten in Fragen der Wirtschaft recht gering ist. Und dabei“, so Appel, „haben Frauen in vielen wirtschaftlichen Bereichen wichtige Fäden in der Hand, nicht nur zu Hause, sondern auch im Erwerbsleben oder bei ehrenamtlichen Projekten, wo sie oft unglaublich geschickt Finanzen auftreiben.“
Was Wert hat
Ein weiterer Punkt für die Themenwahl war die Erfahrung, „dass besonders Frauen häufig Trägerinnen eines anderen Verständnisses von Wirtschaft sind. Sie verspüren es meist als erste, wenn das wirtschaftliche Klima rauer wird, und sie kommen immer mehr darauf, wie eng und einseitig das vorherrschende Wirtschaftsdenken ist. Da bleibt vieles, was sie an wertvoller Arbeit leisten, draußen. Weil es in keiner Bilanz steht, hat es keinen Wert. Es war daher unser Anliegen“, so Appel, „den Frauen ein fundiertes Wissen über wirtschaftliche Zusammenhänge zu vermitteln und ihren Blick für mögliche Alternativen zu schärfen. In vielen Diskussionen hieß es dann, wie schaut das und jenes aus der Sicht der ,Weiberwirtschaft‘ aus.“
Frauen stärken
Eine Hoffnung der Kursleiterinnen war auch, dass die Teilnehmerinnen das Gelernte in eigenen pilothaften Projekten umsetzen. „Als zum Kursende vergangene Woche die Projekte präsentiert wurden, waren wir wirklich überrascht und teilweise berührt, was die Frauen da auf die Beine gestellt haben.“ Appel ist überzeugt, dass dazu auch die neue Form des Lernens mit sehr viel Beteiligung und Selbstbestimmung der Teilnehmerinnen beigetragen hat. „Wir haben diesen Weg bewusst auch als Alternative zu weit verbreiteten Formen des Lernens in der Wirtschaft, wo die Gurus das Sagen haben, gewählt.“
Das Konzept sei trotz mancher Mühen des ersten Mals voll aufgegangen, meint Doris Appel. „Wenn ich sehe, wie die anfangs eher schweigenden Frauen jetzt wirtschaftliche Fragen engagiert diskutieren und wie sie das Anliegen des Kurses, Frauen auf ihren Wert und ihre Kompetenzen aufmerksam zu machen, in ihren Projekten umgesetzt haben, bin ich stolz auf sie.“ Als Beispiel nennt sie zwei Teilnehmerinnen aus Graz und Innsbruck. Die eine hat mit Reinigungsfrauen, die andere mit auf dem Arbeitsmarkt schwer vermittelbaren weib-lichen „Transitarbeitskräften“ gearbeitet. „Beide haben berichtet“, so Doris Appel, „wie diese Frauen durch einen neuen Blick auf den Wert ihrer Arbeit und ihres Lebens aufgeblüht sind.“
Wie wirtschaften?
„Die ständige Herausforderung des Kurses war“, so Appel, „gibt es wirklich tragfähige Alternativen zur herkömmlichen Form des Wirtschaftens. Oder ist es ein ,Naturgesetz‘, dass das Geld als Maßstab den Wert der Arbeit und des Menschen in einem unglaublichen Ausmaß dominiert und die Orientierung am Profit über das angemessene Maß hinaus alle anderen Lebensbereiche bestimmt (Entlassungen zur Steigerung des Aktienkurses etc.)? Und wie schauen die Alternativen aus, die sich mehr an den menschlichen Ressourcen orientieren, an den Fähigkeiten und an der Bereitschaft, diese in der Arbeitswelt und in der Gesellschaft sinnvoll und mitverantwortlich einzubringen?“
Stimmen:
Gabriele Käferböck leitet ein Eltern-Kind-Zentrum in Enns und ist in der Betriebsseelsorge Steyr engagiert. Für die gelernte Sozialwirtin war es sehr interessant, die scheinbar so unumstößlichen Wirtschaftsgesetze und die Auswirkungen von Unternehmensstrategien auf die Gesellschaft kritisch zu hinterfragen. „Der Kurs hat mir sehr geholfen, Zusammenhänge zu durchschauen und meinem Urteil zu trauen“, sagt sie. Mit Frauen hat sie ein Arbeitsbuch erstellt, in dem nicht nur die Erwerbsarbeit etwas zählt.
Elfi Koblmüller ist Pastoralassistentin und freigestellte Betriebsrätin in der Diözese Linz. Sie hat in dem Kurs neben viel wirtschaftlichem Wissen auch gelernt, Dinge neu zu fragen und neu zu denken und die vorherrschende Meinung nicht einfach als Naturgesetz hinzunehmen. „Mich interessieren vor allem die ethischen Fragen: Wem nützt etwas und wem schadet es?“ Als Projekt hat sie einen Leitfaden erarbeitet, wie in Betriebsräten Frauen mehr zum Zug kommen könnten.
Katalin Lukács ist Klavierlehrerin in Wien und organisiert seit Jahren Hilfstransporte nach Ungarn. Sie wollte zunächst wirtschaftliche Kompetenz für ihr soziales Handeln erwerben. „Im Laufe des Kurses aber ist mir immer wichtiger geworden, in dem neoliberalen Karriereklima Ungarns das Selbstbewusstsein ehrenamtlich tätiger Frauen zu stärken, dass ihre Arbeit auch ökonomischen Wert hat.“ Dazu hat sie auch ein Treffen ungarischer und österreichischer Frauen organisiert.