Ehemalige und derzeitge Mitglieder des Stiftungskollegiums.
Die Bischöfliche Arbeitslosenstiftung, 1987 angesichts steigender Arbeitslosigkeit gegründet, hat keinen Grund ruhiger zu treten.
Oberösterreich ist zwar, verglichen mit den bundesweiten Österreich-Zahlen, in einer besseren Situation, doch bewegt sich die Arbeitslosenrate auch bei uns auf hohem Niveau, und Arbeitslosigkeit ist für die Betroffenen eine schlimme Geißel. Wie aber ist es zu erklären, dass Unternehmen klagen, keine Mitarbeiter zu bekommen, wenn gleichzeitig soviele Menschen arbeitslos sind?
Betrieb sucht ArbeitnehmerArbeitnehmer sucht Betrieb
Christian Winkler, Geschäftsführer der Bischöflichen Arbeitslosenstiftung, stellt diesem Hilferuf der Wirtschaft zwei Zahlen entgegen: Im Jahr 1980 wurden österreichweit noch 195.000 Lehrlinge ausgebildet, 2002 waren es nur mehr 120.000 – ein Rückgang um mehr als ein Drittel! In der gleichen Zeit wurden zwar auch die Lehrlings-Jahrgänge zahlenmäßig schwächer, doch nur um 20 Prozent. Wenn weniger Lehrlinge ausgebildet werden, fehlen später die Fachkräfte, sagt Winkler, der insgesamt eine Qualifizierungsoffensive als Gegenstrategie zur Arbeitslosigkeit fordert. „Die Unternehmen sparten bei der Ausbildung und ernten jetzt die Früchte.“ Eine Idee, an deren Entwicklung die Arbeitslosenstiftung kräftig mitgewirkt hat, ist die Gründung einer „Sozialstiftung“. Gefördert von der EU sollen hier Qualifizierungsmaßnahmen Teilnehmern in Sozialprojekten ein optimales Rüstzeug für den Arbeitsmarkt mitgeben. Diese Stiftung könnte 2005 starten!
Leseheft
Mit dem jüngst erschienen „Leseheft 3“ gibt das Armutsnetzwerk, in dem auch kirchliche Einrichtungen wie die Arbeitslosenstiftung mitwirken, Anstösse zum Nachdenken über die Arbeitslosigkeit (siehe Randspalte). Christian Winkler, Geschäftsführer der Bischöflichen Arbeitslosenstiftung erklärt die Absicht des Leseheftes: Es will abseits der Statistik über Fakten informieren, die sonst nicht vorkommen und Schicksale aufzeigen, Betroffenheit erzeugen.
Gute Nachrichten
Es gibt auch gute Nachrichten – so weist die Statistik für Oberösterreich sogar gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres eine leichte Abnahme der Arbeitslosigkeit aus. Die unten gezeigte Statistik bezieht sich auf den Februar 2004, weil dies der jüngste Monat ist, zu dem für alle Bereiche die Daten schon veröffentlicht sind. Auffallend ist, dass heuer deutlich weniger Personen in Schulung sind, während die Pensionsvorschüsse steigen. (Allerdings steigt auch der Anteil derer, die im Zuge des Prüfverfahrens abgelehnt werden.) Die Bischöfliche Arbeitslosenstiftung hat seit 1987 etwa 2,14 Millionen Euro eingenommen (Spenden, Daueraufträge, zweckgebundene Kirchenbeiträge). Sie gab 1,4 Millionen Euro Beihilfen und 500.000 Euro Darlehen an Arbeitslosenprojekte. Um 263.000 Euro wurde Einzelfallhilfe gewährt, die die Caritas abwickelt. Insgesamt 84 Arbeitslosen-Projekte wandten sich in 348 Ansuchen an die Stiftung.
Eine Familie wohnt in einer kleinen Stadt. Beide Eltern haben keine abgeschlossene Ausbildung. Der Vater bekommt seit Jahren nur noch Leasingjobs mit vielen Unterbrechungen. Im Winter ist er meist ohne Beschäftigung. Die Mutter hat eine geringfügige Beschäftigung im Handel. Mangels Flexibilität auf Grund der Kinderbetreuung bekommt sie keine Fixanstellung. Die Einkommensschwankungen führen zu Problemen bei der Bezahlung der Fixkosten ... Kontoüberziehung ... Kreditaufstockung ... Schulden ... Belastung für Haushaltsbudget ... Das Auto wäre für eine Arbeitsaufnahme wichtig, ist aber nicht mehr leistbar. In dieser Familie nimmt der Druck zu. Die Spannungen entladen sich zwischen den Partnern und in der Familie...