Österreich leistet bei der Begleitung Sterbender Pionierarbeit. Das betonte der Wiener Caritasdirektor Michael Landau vor kurzem beim Deutschen Katholikentag.
Ethische Fragen in Zusammenhang mit der Würde und dem Schutz des menschlichen Lebens waren ein „Renner“ auf dem Deutschen Katholikentag in Ulm. Auf großes Interesse stieß Michael Landau. Er berichtete über die „landesweite Übereinstimmung in Österreich, dass Menschen an der Hand eines anderen und nicht durch die Hand eines anderen sterben sollen“. Wer keine „aktive Sterbehilfe“ (Euthanasie) wolle, müsse für eine optimale Sterbebegleitung sorgen, betonte Landau und verwies auf den beispielhaften Aufbau der Hospizbewegung seit zehn Jahren. Gleichzeitig forderte er einen „Nationalen Hospizplan“ (s. Kasten).
Umfassendes Angebot
In der Hospizarbeit wurden in den letzten Jahren mehrere Projekte gestartet, die auf eine umfassende Betreuung unheilbar kranker und sterbender Menschen abzielen. In Linz hat im vergangenen Jahr das „Mobile Palliativteam“ der Caritas seine Arbeit aufgenommen. Es betreut in erster Linie Patient/-innen, die unter schwer beherrschbaren Symptomen und Schmerzen leiden. Ein interdisziplinäres Team von Ärz-tinnen, Schwestern und ehrenamtlichen Mitarbeitern steht den Kranken und deren Angehörigen rund um die Uhr zur Verfügung. Das Paket an Betreuung, Palliativpflege und Begleitung geht deutlich über das bisherige Angebot des Hospizteams hinaus.
„Dazu kommt“, so Ulrike Pribil, „dass wir mit vielen Patient/-innen und deren Angehörigen schon in den Krankenhäusern und Palliativstationen Kontakt aufnehmen. Das ermöglicht einen reibungslosen Übergang in die häusliche Pflege (und zurück) und macht den Betroffenen Mut, sich das zuzutrauen.“ Wichtig für dieses Modell sei auch eine gute Zusammenarbeit mit den bestehenden medizinischen und pflegerischen Einrichtungen. Im ersten Jahr konnten 155 Patient/-innen, darunter auch fünf Kinder, betreut werden. Finanziert wird das Projekt durch den Oberösterreichischen Krankenanstaltenfonds. Vor kurzem startete auch die Hospizbewegung Vöcklabruck mit einem ähnlichen Modell.Vor drei Monaten begann in Wien das „Mobile Hospiz Rennweg“ seine Arbeit für Krebskranke, die zu Hause betreut und gepflegt werden wollen. Es wurde von der Schwesterngemeinschaft der „Caritas Socialis“ und dem Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern als „notwendige Ergänzung“ zu ihrem seit 1995 bestehenden stationären Hospiz gegründet. „Viele Menschen“, so Projektleiterin Christine Hintermayer, „haben den Wunsch, ihre letzte Lebensphase möglichst lange in ihrer gewohnten Umgebung zu verbringen. Weil wir nun stationäres und mobiles Hospiz in einer Hand haben, ist ein reibungsloser Wechsel jederzeit möglich.“
Ein sicheres Netz
Im Raum Innsbruck gibt es dieses Ineinandergreifen von stationärem und mobilem Hospizangebot mit Pflege und Begleitung seit sechs Jahren. „Für viele Patient/-innen bietet das einen großen Rückhalt, dass sie sich auch nach Hause gehen trauen, wenn es irgendwie möglich ist. Sie wissen, es gibt ein Netz, das sie wieder aufnimmt, wenn das nötig ist“, betont Arnold Schett von der Tiroler Hospizgemeinschaft. Durch die Anbindung der Caritas-Hospizstation an die Uniklinik ist auch bei der Finanzierung eine Entlastung eingetreten. Im nächsten Jahr wird die Hospizstation von acht auf 14 Betten aufgestockt.
Für ein breites Hospizangebot
Zur Sache
Noch kurz vor seinem Tod hat Kardinal Franz König einen Brief an den Präsidenten und das Präsidium des österreichischen Verfassungskonvents geschrieben. Er hat darin ein „entschiedenes Handeln der politisch Verantwortlichen“ für die Hospiz-Idee gefordert. Außerdem ist er dafür eingetreten, in der neuen Verfassung ein Verbot der Tötung auf Verlangen (Euthanasie) zu verankern. Kardinal Christoph Schönborn be-zeichnete Königs Einsatz in den vergangenen Jahren für ein Sterben in Würde als Auftrag an die Kirche Österreichs.Kardinal Schönborn erinnerte kürzlich auch an den Parlaments-Beschluss vom Dezember 2001. Damals haben sich alle vier Parteien gegen die aktive Sterbehilfe und für die „umfassende Förde-rung der Hospizarbeit“ ausgesprochen. Seither seien in einigen Bundesländern gute Projekte in Angriff genommen worden, betonte der Wiener Caritas-Direktor Michael Landau. Es gebe aber immer noch keinen Plan für ein flächendeckendes umfassendes Hospizangebot und die Integration von Palliative Care in den allgemeinenKrankenhäusern und Pflegeheimen. Ein besonderes Problem stelle derzeit die Finanzie-rung der Hospizangebote dar. Vor allem bei den mobilen Leistungen gebe es immer noch große Lücken, die durch Spenden gedeckt werden müssen. Landau forderte daher erneut die Einbeziehung der Hospizarbeit in die Regelfinanzierung des Gesundheitssystems. Außerdem sollten Menschen in der letzten Lebensphase rascher als bisher Pflegegeld bekommen. Die Familienhospizkarenz zur Pflege sterbender Angehöriger müsste mit einem „Ka-renzgeld“ ergänzt werden, damit auch Einkommensschwache leichter Zugang haben.