Zehn Jahre nach dem Jahr der Familie: Neue Themen treten hervor
Ausgabe: 2004/27, Familienpolitik, Familie,
29.06.2004
- Hans Baumgartner
In der Familienpolitik zeichnen sich neue Themen ab. Vor allem die stärkere Einbindung der Väter in die Familienarbeit und die Entwicklung einer bevölkerungsbewussten Familienpolitik stechen hervor.
Vor zehn Jahren fand das Internationale Jahr der Familie statt. Zum „Jubiläum“ richtete die Regierung ein „Nationalkomitee“ ein, das eine Bilanz über die Familienpolitik des vergangenen Jahrzehnts ziehen und die aktuellen Herausforderungen benennen sollte. Dazu wurden zehn Arbeitskreise gegründet, die sich mit zentralen Fragen der Familienpolitik auseinandersetzten. Koordiniert wurde die Arbeit von Günter Danhel vom kirchlichen Institut für Ehe und Familie. Mitte Juni wurden die Ergebnisse der Arbeitskreise vorgestellt.
Bevölkerungsentwicklung
Auf der Habenseite der Familienpolitik seit 1994 verbucht Danhel die Einführung des Kinderbetreuungsgeldes für alle Mütter (Väter), die Familienhospiz- und Elternteilzeitkarenz, wenngleich hier noch Wünsche offen sind, und die Förderung der Familienmediation und der Elternbildung. Nicht erreicht wurde, das Ziel einer kinderfreundlichen Gesellschaft als übergreifendes Politikprinzip zu installieren. Das führe etwa dazu, dass im Pensions- und Steuerrecht die Erziehungs- und Pflegearbeit nur unzureichend berücksichtigt werde. Angesichts der geringen Kinderrate und der Überalterung der Gesellschaft fordert Danhel hier ein rasches Umdenken.
„Die Fragen der Generationensolidarität und der Bevölkerungsentwicklung treten heute viel schärfer als Herausforderung an die Familienpolitik hervor, als das noch vor zehn Jahren der Fall war“, betont auch Elke Patzelt-Koban vom Forum „Beziehung, Ehe und Familie“ der Katholischen Aktion. Bei der Präsentation der Arbeitskreisergebnisse sei das Thema einer bevölkerungsbewussten Familienpolitik wiederholt angesprochen worden – auch vor dem Hintergrund, dass Österreich bei der direkten Familienförderung im europäischen Spitzenfeld, bei der Geburtenrate aber weit hinten liege.
Die Wunschliste
Für Patzelt-Koban kam in der Bilanz deutlich zum Ausdruck, dass Familienpolitik noch zu sehr in Einzelmaßnahmen gesehen werde. „Die Forderungen aus den Arbeitskreisen aber machten deutlich, dass Familienpolitik viel umfassender ansetzen muss.“ Auf der „Wunschliste“ stehen u. a.: – der Ausbau der Eltern- und Partnerbildung und eine stärkere Vernetzung der Einrichtungen und Organisationen, die im Familienbereich arbeiten (örtliche Allianzen und Kompetenzzentren); – Maßnahmen zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf und zur partnerschaftlichen Aufteilung der Familienarbeit (Vaterschaftsurlaub/karenz, Kinderbetreuungseinrichtungen, Wiedereinstiegshilfen, Beseitigung der Differenz zwischen Männer- und Frauengehältern etc.); – die Beseitigung arbeits-, steuer- und sozialrechtlicher Benachteiligungen, die durch die familiäre Betreuung und Pflege entstehen sowie die Einführung einer Familienverträglichkeitsprüfung für Gesetze und Verordnungen.
Bewusste Vaterschaft
Ein Thema, das in den vergangenen Jahren stark an Bedeutung gewonnen habe, ist das „einer positiven männlichen Identität und der damit verbundenen Vaterrolle. „Hier wurde nicht nur die notwendige stärkere Einbindung der Väter in die Erziehungs- und Familienarbeit angesprochen, sondern auch auf den Nutzen hingewiesen, den die Unternehmen haben, wenn Männer dadurch zusätzliche soziale Kompetenz erwerben“, betont Patzelt-Koban.
Positiv wurde festgestellt, dass die Elternbildung in den vergangenen zehn Jahren sehr gut auf die Schiene gebracht wurde. Ähnliche Fördermaßnahmen und Qualitätskriterien wären auch für den Bereich der Partnerbildung dringend notwendig, betont Elke Patzelt-Koban. Wichtig ist ihr auch die Forderung der Arbeitskreise, die Weiterentwicklung nicht erst wieder in zehn Jahren, sondern früher zu überprüfen.
Zur Sache
Für die Familie
Das „Forum Beziehung, Ehe und Familie“ der Katholischen Aktion (früher Familienwerk) ist das österreichweite Dach, unter dem zahlreiche kirchliche Einrichtungen und Organisationen, die im Bereich der Ehevorbereitung, der Familien- und Partnerbegleitung und -bildung sowie in der Ehe- und Familienberatung tätig sind, zusammenarbeiten. Hier werden aktuelle Anforderungen an die Familienarbeit beraten, politische Stellungnahmen erar- beitet und gemeinsame Projekte im Bildungs- und Beratungsbereich umgesetzt.
Das Forum bietet eine Reihe von Seminarbausteinen und Behelfen für Multiplikator/-innen in der Ehe- und Familienarbeit an. Sie befassen sich u. a. mit folgenden Bereichen: – Wiedereinstieg in den Beruf als Herausforderung für den gesamten Lebensablauf der Familie; – Kommunikations- und Konfliktfähigkeit in der Partnerschaft (Reden wir miteinander); – die Begleitung von Familien, die von Arbeitslosigkeit betroffen sind; –Familienkultur und Rituale in der Familie pflegen.
Direkt an die „Endverbraucher“ wenden sich die neu gestalteten Ehebriefe und die Homepage www.eheonline.at Sie bietet Informationen zu den Themen Beziehung, Ehe, Sexualität, Kinder und Beratung und ein Diskussionsforum, das derzeit vor allem von Paaren mit Schwierigkeiten stark genutzt wird.
Mag. Elke Patzelt-Koban ist Referentin des Forums Beziehung, Ehe und Familie – Infos: www.kaoe.at oder Telefon 01/51 5 52-36 90