Biobauer und Ökopionier Josef Malzer vor seinem Hof in Schlüßlberg
Ein Gespräch mit Josef Malzer, Solidaritätspreisträger der Kirchenzeitung 2004, ist wie eine Bewusstseinserweiterung in die Welt des Kreislaufdenkens.
Der Mensch mit seinem Spatzenhirn könne die Welt nicht zu Grunde richten, aber er schaffe es, seine Lebensgrundlagen zu gefährden. – So spricht einer, der sein Leben seit langem an der Natur orientiert und der der Natur vieles abschaut, was an Technik auf seinem Hof – in der Nutzung von Biomasse etwa – zum Einsatz kommt: Josef Malzer, Biobauer, Ökopionier und bäuerlicher Vordenker aus Schlüßlberg. Er hat schon mehr als 100 Energiestammtische organisiert, zu denen bis zu 300 Menschen kommen, um sich mit Energiefragen und Umweltpolitik zu befassen. Ende August wird Landesrat Rudi Anschober Gast sein. Auch Landesrat Dr. Josef Stockinger, von dem er große Stücke hält, war schon Stammtisch-Gast.
Kunstdünger raubt Land
Der Kunstdünger geht den Bauern an den Lebensnerv und beschert Umweltkatastrophen, warnt Malzer. Der Kunstdüngereinsatz funktioniert nur mit Humusverbrauch. Ist der Humus weg, fehlt der Wasserspeicher. Das Ökosystem Kühlung kommt aus dem Lot. Unwetter sind die Folge. Um einen Zentimeter Humus wieder aufzubauen, braucht die Natur hundert Jahre! Darin sieht er eines der großen Probleme der Landwirtschaft: „Die jungen Bauern können nicht mehr Bauern sein, weil der Humus weg ist und nicht weil sie für ihre Produkte keinen Preis mehr bekommen!“
Kreislauf
Wieder und wieder spricht Malzer vom Kreislauf. Davon, dass der benötigte Stickstoff etwa von Leguminosen aus der Luft in den Boden transportiert würde. Aber es wird Kunstdünger gekauft. Malzer pointiert: „Heute musst’ als Bauer nur noch wissen, wo’s Lagerhaus ist. Früher hat man noch um die Zusammenhänge Bescheid wissen müssen.“
Malzer ist Nebenerwerbslandwirt. Auf mehr als sechs Hektar bewirtschaftet er einen Energiewald. Außerlandwirtschaftlich arbeitet er bei der Straßenmeisterei. Die muss mittlerweile auch im Sommer mit dem Schneepflug fahren, um Abschwemmungen der Maisfelder zu beseitigen.
Die Aufgabe der Landwirtschaft ist nicht nur die Nahrungsmittel-Produktion, sondern traditionell auch die Energieversorgung und die Versorgung mit Rohstoffen. Etwa Hanf und Lein. Diese traditionellen Standbeine sollte sich die Landwirtschaft wieder zurückerobern.
Ölfelder
Vieles könne die Landwirtschaft produzieren, was heute aus Erdöl-Abfallprodukten hergestellt wird. Derzeit kommt der Treibstoff von den tief im Erdinneren liegenden Ölfeldern. Künftig sollte er auf landwirtschaftlichen oberirdischen „Ölfeldern“ geerntet werden, ist Malzers Vison. Eine Vision der Kreislaufwirtschaft, noch dazu CO2- und stickstoffneutral, also umweltverträglich.
Interessenskampf
Noch ist der Weg dorthin weit. Hackschnitzelanlagen haben zum Beispiel bei lokalen Heizprojekten oft das Nachsehen. Wirtschaftlich mächtige Interessen setzen Erdgas durch, das über tausende Kilometer nach Österreich kommt. Auf Malzers Hof fallen einem Sonnenkollektoren, Photovoltaikzellen und Solarkocher auf. „Die Sonne ist unser ungefährlicher und kostenloser Reaktor.“ Ihn zu nutzen, sollten wir alle Anstrengungen unternehmen, sagt Malzer. Auch in Kreisläufen zu denken, müssen wir wieder lernen!