Sie war Topmodel und Bond-Girl. Heute ist sie Kofi Annans starke Stimme gegen die Verstümmelung von Frauen: Waris Dirie aus Somalia.
Die Katholische Männerbewegung Österreichs vergibt ihren Oscar-Romero-Preis 2004 an Waris Dirie. Obwohl die Preisübergabe erst am 24. November ist, sorgte die Mitteilung bereits für ungewöhnliches Echo, war doch Waris Dirie (39) in den 80er und 90er Jahren ein hochbezahltes Topmodel. Ihr Konterfei zierte den Pirelli-Kalender ebenso wie die Titelseiten von „Vogue“ oder „Elle“. An der Seite von Timothy Dalton spielte sie das Bond-Girl. 1997 – vielleicht auch unter dem Eindruck ihres neuen Familienglücks – spricht Waris Dirie in der Zeitschrift „Marie Claire“ erstmals über ihre eigene Beschneidung und das Schicksal vieler afrikanischer Frauen. Damit war das Schweigen über ein absolutes Tabuthema gebrochen. Eine weltweite Bewegung kommt ins Rollen. Waris Dirie wird Sonderbotschafterin der UNO im Kampf gegen die genitale Verstümmelung von Frauen.Weil sie für fünf Kamele an einen alten Mann verheiratet werden sollte, floh das 13-jährige Nomadenmädchen W. Dirie vom Land in die Hauptstadt Mogadischu. Von dort ging es mit einem Onkel nach London. Da ließ der Herr Botschafter seine Nichte als Hausmädchen schuften, Schulbesuch gab es keinen. Nach der Rückkehr ihres Onkels blieb sie in London, schlug sich mit allen möglichen Jobs durch und wurde schließlich als Fotomodel entdeckt. Heute lebt sie in Wien und kämpft mit zwei Stiftungen gegen die weibliche Genitalverstümmelung an. Lesenswert sind ihre Bücher „Wüstenblume“ und „Nomadentochter“.
„Ich freue mich über diesen Preis ganz besonders, denn ich verehre Erzbischof Romero sehr. Er war ein Mensch mit einer Mission – und nichts konnte ihn davon abhalten.“Waris Dirie, Romero-Preisträgerin