Ein kaltes Höhentief über der Nordsee verlagerte sich von 6. auf den 7. Juli 1954 in den Alpenvorraum. Extreme Regenfälle führten zu einem gewaltigen Anstieg der Wasserstände an Inn und Donau. Die größte Hochwasserflut des 20. Jahrhunderts erreichte in Schärding am 10. , in Passau am 12. Juli ihren Höhepunkt.
In das Bewusstsein der Menschen, die damals die Flut erlebten, hat sich die Jahreszahl tief eingegraben. Die Flut kam in einer Phase, als vieles vom Zweiten Weltkrieg her noch zerstört war. Die Mittel der Technik standen noch nicht in dem Ausmaß zur Verfügung, wie das 48 Jahre später – beim August-Hochwasser 2002 – der Fall war. 1954 und 2002: das sind zwei denkwürdige Jahreszahlen. Sie machen uns bewusst, wie wenig berechenbar die Natur letztendlich ist. Worauf Menschen lange gespart haben, wurde einfach weggespült, zerstört. Alles kam auf das Leben selbst an – als das Eigentliche, das es zu retten galt.
Das Leben selbst als wertvollstes, dem Menschen geschenktes Gut zu sehen, gilt auch im übertragenen Sinne. Es besteht „Hochwassergefahr“, wenn materieller Wohlstand vor dem Leben selbst gesehen wird, oder wenn ein fragwürdiges Gesundheitsideal krankes oder behindertes Leben als weniger wertvoll sieht. Die am Montag an Parlamentspräsidenten Andreas Khol übergebenen „Unterschriften für das Leben“ sind als Hochwasser-Schutzmaßnahme zu verstehen – rechtzeitig, nicht erst dann, wenn ein Tief an Unmenschlichkeit aufzieht. Es ist wie bei Jahrhundertfluten: Man soll sich niemals (zu) sicher fühlen.