Nicht gerade bequem war das Thema der diesjährigen Missionsstudientagung: Wie gehen wir mit „dem Fremden“ um und wie benehmen wir uns als Gast in einer fremden Welt?
Das gleichberechtigte Miteinander der vielen Kulturen und Ortskirchen innerhalb der einen Weltkirche bleibt bis heute eine Herausforderung, hieß es zum Auftakt der Internationalen Missionsstudientagung im Haus Marillac in Innsbruck. Wie aber gehen wir mit der Herausforderung einer im wahren Sinn katholischen (umfassenden) Multikulturalität um, fragte der Pastoraltheologe und Combonimissionar Franz Weber. Gibt es trotz wachsender Direkt-Partnerschaften und zunehmendem Personalaustausch tatsächlich einen Dialog auf gleicher Augenhöhe zwischen den Kirchen des Nordens und den ehemaligen „Missionskirchen“? Oder wird vielen Ortskirchen in Asien, Afrika oder Lateinamerika nach wie vor zugemutet, in den importierten Fertigteilhäusern der abendländischen Theologie zu wohnen? Wie hoch ist in unseren christlichen Gemeinden die Bereitschaft, sich auf Menschen aus fremden Kulturen einzulassen oder religiös Suchenden Raum zu geben? Hier, so Weber, gehe es nicht um ein Modethema, sondern um „Überlebensfragen der christlichen Kirchen“.
Noch nicht katholisch
In vielen Metropolen der Welt, vor allem in den Ländern des Südens, seien Zehntausende Gemeinden damit konfrontiert, dass immer neue Christ/-innen zuströmen. Viele kommen – von der Armut getrieben – aus ländlichen Regionen, manche auch als Flüchtlinge. In diesen Gemeinden, so Weber, gebe es starke kulturelle, ethische und religiöse Unterschiede, die zusammen mit dem bestehenden Elend ein konfliktreiches Gemisch ergäben. Von diesen Christengemeinden am Rand von Mexiko City, Manila oder Kinshasa sei eine ungeheure Integrationskraft verlangt, betont Weber. „Und wir in Österreich tun uns schon schwer damit, Zugewanderten aus einem anderen Bundesland oft nach Jahren einen gleichwertigen Platz in der Gemeinde zu geben.“
Wenn sie dem Anspruch der Bibel und dem Beispiel der frühen Christengemeinden gerecht werden wollen, müssten sich Österreichs Pfarrgemeinden in Zukunft stärker der Aufnahme und Integration von „Fremden“ stellen und vermehrt Räume der Begegnung schaffen, betont Weber. Viele unserer Gemeinden seien noch nicht wahrhaft „katholisch“ im Sinne von „weltsichtig“. Die Ablehnung vieler Projekte zur Unterbringung von Flüchtlingen sei ein Beispiel dafür, meint Weber.
Weltkirche lernen
Auf die Problematik der konkreten Begegnung mit dem Fremden ging auch der Innsbrucker Bischof Manfred Scheuer ein. So etwa gebe es in der Diözese Innsbruck – wie im übrigen Österreich auch – ein relativ hohes Bewusstsein zu weltkirchlicher Solidarität, was die finanzielle Unterstützung betrifft. Aber wirkliche Begegnung sei noch einmal etwas anderes als Caritas und Diakonie. Und so wie ein Weltdorf nicht über das Internet entstehe, weil ein Blick, ein Händedruck, eine tröstende Umarmung, ein Kuss oder eine gute Tat nicht ersetzbar seien, so müsse jede Gemeinde auch ein konkreter weltkirchlicher Lernraum sein, meint Scheuer. Dabei gehe es um Gerechtigkeit für alle, die Option für die Armen und um eine Kultur der Anerkennung der Anderen ohne dabei die eigene Identität dabei aufzugeben.
Zur Sache
Gegen-seitig
„Fremdsein – Gastsein. Begegnungen in der Lerngemeinschaft der weltweiten Kirche.“ So lautete das Thema der Internationalen Missionsstudientagung, die vom 6. bis 9. Juli im Haus Marillac in Innsbruck von missio Austria, der Ordensoberenkonferenz und dem Arbeitskreis Weltmission der evangelischen Kirche veranstaltet wurde.
„Wir sind einerseits ein großes Weltdorf geworden und uns aber andererseits so fremd, dass Menschen, die auf einer Stiege in einem Gemeindebau wohnen, einander nicht kennen“, meinte Missio-Direktor Weihbischof Ludwig Schwarz zum Auftakt der Tagung. Dass die Hürden zwischen Fremden und Einheimischen noch einmal größer sind, mache die Begegnung und Integration nicht einfacher.
Karl-Heinz Rathke, der viele Jahre als evangelischer Pfarrer in Kamerun und Ghana gewirkt hat, meinte zum Ungleichgewicht der Beziehungen: „Wir aus dem Westen kommen immer als Gebende, Besitzende, Wissende. Das schafft Probleme und Abhängigkeiten. Auch die sehr unterschiedliche Wahrnehmung und Bewertung der Zeit spielt eine wichtige Rolle beim Eintauchen in eine fremde Kultur und bei der Rückkehr.“
Den Blick von der „anderen Seite“ schilderte Emeka Emeakaroha. Er kam 1995 aus Nigeria nach Österreich und ist seit 1999 in Obergrafendorf als Kaplan tätig. Wann immer er könne, versuche er etwas vom Lebensstil der Afrikaner zu vermitteln. „Gott zu loben, das ist unser Lebensstil. Auch in Armut und Not.“ Gerade Kinder seien für diese Botschaft offen. Als einziger Afrikaner bei der Feuerwehr mache er einen eigenen Kulturaustausch, meint Emeka.