Der zweijährige Maxi ist mit seiner Leih-Oma Alexandra Kinsky, „Krana“ genannt, zufrieden, wie er selbst bestätigt.
„Die Zuwendung, die ich gebe, bekomme ich zurück“, sagt Maria Gaffal. Sie betreut drei Enkel-Kinder „mit voller Begeisterung“. Vom gegenseitigen Geben und Nehmen profitieren alle: Eltern, Kinder, Omas.
Maria Gaffal ist 63 Jahre alt. Seit acht Jahren ist sie um drei Leih-Enkerl reicher. Geschichten erzählen, in den Tiergarten gehen, einfach für die Kinder dasein ist ihr Oma-Programm. Mit der ganzen Leihfamilie fühlt sie sich freundschaftlich verbunden. Als sie sich 1997 bei der Familie vorstellte, wurde sie gleich akzeptiert. Das sei zwar nicht immer so, doch in den meisten Fällen sei die Kontaktaufnahme erfolgreich: „Kinder haben ein feines Gespür dafür, ob die Chemie stimmt. Denen kann man nichts vormachen“, erzählt Elfriede Wukonig, die in Linz die Zentrale des Oma-Dienstes leitet. Sie führt auch das Vorstellungsgespräch mit den Omas, die sich bewerben. „Liebe zu Kindern und ein gesunder Hausverstand“ sind das Wichtigste für diesen Dienst. Lebenserfahrung mit Kindern, eine ausgeglichene, kontaktfreudige Persönlichkeit und die Lust sich mit Kindern zu beschäftigen sind gute Bedingungen, um als Leihoma tätig zu sein.
„Die Oma kommt zu den Kindern und betreut sie stundenweise. Wir verstehen uns nicht als Konkurrenz-Betrieb zu Kindergärten oder Tagesmüttern“, stellt Wukonig gleich klar. Die Nachfrage sei enorm, die Omas rar. Ein Dilemma für den Oma-Dienst. Leider fehlen für viele Filialen in Oberösterreich, die neu eingerichtet wurden, Leih-Omas. „Und Männer zu vermitteln, ist zur Zeit noch schwierig“, berichtet Wukonig aus Erfahrung. Warum Leih-Omas so begehrt sind, zeigt eindrucksvoll die Begegnung mit Maxi, 2 Jahre, und seiner Leihoma Alexandra Kinsky, die er „Krana“ nennt. Alexandra Kinsky (54 Jahre) kommt mehrmals wöchentlich für ein paar Stunden zur Familie. „Ich mache es gerne und bin froh, dass ich arbeiten gehen kann“, erzählt sie: „Und auch meine Kinder, die noch keine eigenen Kinder haben, sind froh, dass ich eine Aufgabe habe“.
Familien-Alltag erleben
Zurück zu Maxi. Die Mama des zweijährigen Buben ist schon in der Arbeit, wenn „Krana“ kommt. Die Kinder übernimmt sie von Papa, der einer Teilzeit-Arbeit nachgeht. „Krana“ und Maxi räumen am Vormittag gemeinsam den Geschirrspüler ein- und aus, kochen und gehen einkaufen. Zu Mittag holen sie die größere Schwester Lili vom Kindergarten ab. „Ich möchte, dass Kinder den ganz normalen Familienalltag kennenlernen, ein Stück ‚Normalität‘ erleben. Was ich mit den Kindern unternehme, ist mir überlassen. Bücher (vor)lesen, spielen, Geschichten erzählen ist bei Maxi genauso beliebt, wie sämtliche fahrbare Gegenstände anzuschauen, anzugreifen und zu benennen“, erzählt Oma Kinsky. Ob Maxi mit seiner „Krana“ zufrieden ist? „Ja“, sagt er und das klingt sehr überzeugend.
Auch für alleinerziehende Elternteile ist es eine große Hilfe, auf eine Oma zurückgreifen zu können, die außerhalb der Öffnungszeiten des Kindergartens Zeit hat. „Als alleinerziehende Mutter ist mir der Wiedereinstieg ins Berufsleben sehr schwer gefallen. Ich wollte arbeiten, ich wollte aber auch für mein Kind da sein. Durch unsere Leihoma ist vieles einfacher geworden“, berichtet eine Mutter, die froh ist über ihre Leih-Oma.
„Das Gebraucht-werden ist so bereichernd“, meint Oma-Dienst-Leiterin Wukonig, die auch selbst schon Leih-Oma war. Abgesehen davon sei der Oma-Bezug wichtig, denn „viele Kinder haben keine Oma in ihrer Nähe“. Durch die Leih-Oma wird der Kontakt zu einer älteren Generation ermöglicht. Und die Kinder fahren auf die Omas ab. Das beweist nicht nur Maxi, der nach einem einstündigen Interview endlich wieder ungestört mit seiner Krana spielen will.
Zur Sache
Omas im Einsatz
Der „Oma-Dienst“, ein Projekt des Katholischen Familienverbandes, feiert heuer sein siebenjähriges Bestehen in Oberösterreich. Er umfasst derzeit 18 Filialen in ganz Oberösterreich. Die Nachfrage ist groß – 230 Familien stehen auf der Warteliste. 190 Leihomas gibt es, an die 85 Omas sind zur Zeit aktiv. Doch leider herrscht ein Mangel an vermittelbaren „Leih-Omas“. „Grundsätzlich sollte eine Oma Liebe zu Kindern und einen gesunden Hausverstand mitbringen“, meint Elfriede Wukonig, Leiterin der Zentrale in Linz. Sie führt das Vorstellungsgespräch mit den Omas. Passen die Voraussetzungen wird versucht, die Leih-Oma einer Familie zu vermitteln, die möglichst gut zu ihr passt.
Die Familie zahlt dafür eine einmalige Vermittlungsgebühr von E 25. Die Omas müssen einen Säuglings- und Kinder-Erste-Hilfe-Kurs absolvieren. Die Omas sind geringfügig beschäftigt und erhalten E 5,10 pro Stunde und zusätzlich ein Jausengeld. Auch die Fahrtspesen werden ersetzt. Die Entlohnung wird direkt zwischen Familie und Oma geregelt. Der Oma-Dienst sucht nun dringend Frauen in der Lebensmitte, die Freude an der Arbeit mit Kindern haben und bereit sind Verantwortung zu übernehmen.