Die Linke soll wissen was die Rechte tut. Und was die Hände tun, soll mit dem übereinstimmen, was der Mund sagt oder gar predigt. Wenn es die Hände drängt, stets anders zu „handeln“ als der Mund zu sagen pflegt, und wenn die Füße immer wieder andere Ziele suchen, so müssen die Worte geprüft werden, ob sie sich aufgrund der Erfahrung der Hände nicht ändern müssten – sonst hätte die Lehre des Mundes nicht Hand und Fuß.
Im St. Pöltner Priesterseminar hat es – so die Anklage – strafrechtlich relevante Vorkommnisse gegeben: Kinderpornografie auf Seminaristencomputern, Fotos, die zumindest den Anschein homosexueller Handlungen geben. Letzteres ist nicht strafrechtlich relevant, erfordert aber ein Nachdenken der Kirche heraus, denn der Mund der Kirche spricht anders. Was angehenden Priestern einmal anvertraut werden soll, der Umgang mit menschlicher Intimität, damit sind sie selbst nicht zurecht gekommen. Das ist traurig. Es schreit weniger nach Verurteilung, als nach Heilung. Letzteres nämlich ist Intention und Aufgabe der Kirche, wenn es um Schuld geht. Es schreit aber auch nach Heilung des gebrochenen Vertrauens bei Menschen. Wort und Tat gilt es wieder zusammen zu führen, sonst entstünde der Eindruck, es wäre gar nicht so wichtig, was man immer gelehrt und gepredigt hat.
Menschen, die einmal mit anderen die größten Geheimnisse des Glaubens feiern sollen, sollte man zutrauen können, dass sie selbst, ohne Öffentlickeit, dies mit derselben Tiefe tun.