P. Alfred Strigl ist Zisterzienser des Stiftes Schlierbach. Der 63-jährige Ordensmann leitet die Käserei des Stiftes (10 Millionen Euro Jahresumsatz, 39 Mitarbeiter/innen) und die Glaswerkstätte (22 Mitarbeiter/innen, 2 Mio Euro Umsatz).
Das 80-jährigen Bestehen der Stifts-Käserei ist für den visionären Strigl Anlass, ein Zeichen für die Zukunft zu setzen. Auf den Verwaltungstrakt des Stiftes wurde in Glas-Stahl-Bauweise ein Stockwerk aufgesetzt. In dem über 500 Quadratmeter großen Saal entsteht eine Verkaufsfläche für Klosterprodukte. (DIe KIZ berichtete). Am 25. Juli wird der beeindruckende Raum eröffnet. In dem neu geschaffenen Bereich sollen die jährlich rund 27.000 Besucher/innen der Schaukäserei auch durch Ausstellungen mit dem ländlichen Raum vertraut gemacht werden.
Vor 80 Jahren begann Bruder Leonhard Kitzler im Stift Schlierbach mit der Käseproduktion. Zum Jubiläum spricht der heutige Wirtschaftschef P. Alfred Strigl über das Geheimnis des Erfolgs: über Produkte mit Spiritualität.
KIZ: Das Leben als Mönch und die Aufgaben als Manager unter einen Hut zu bringen ist sicher nicht immer einfach ...
P. Alfred Strigl: Ich verstehe mich nicht als Manager. Es sind kleine Betriebe, die ich leite: Da versuche ich mit den Mitarbeiter/innen gemeinsam zu arbeiten. Natürlich wird man als Ordensmann anders gemessen. Vor allem bei Preisverhandlungen höre ich oft: Als Pater können Sie doch nicht so hart sein. Soll ich deswegen dumm sein?
Worin besteht die besondere Herausforderung bei der Führung von Kloster-Betrieben?
Sicher im sozialen Bereich. Wir haben doppelt so viele behinderte Menschen angestellt, als das Gesetz vorschreibt. Leider honoriert das niemand. Auch die Kirche nicht. Wenn ich Pfarrgemeinderäten Angebote über Glasfenster lege, interessiert sie ausschließlich der Preis, oft weniger die Qualität und auch nicht das Umfeld, in dem die Produkte erzeugt werden. Das ist schade.
Sie sind für Ihren Einsatz im Bereich der Ökologie bekannt. Wie sind Sie auf das Thema gestoßen?
Ich stamme aus einer Bauernfamilie und habe bis zum 20. Lebensjahr in der Landwirtschaft gearbeitet. Beim Theologiestudium in Innsbruck bin ich dann auf die Bücher des evangelischen Theologen Jürgen Moltmann gestoßen. Seine Bücher „Theologie der Hoffnung“ und „Mensch“ haben mir die Augen für ökologische Fragen geöffnet. Ausgangspunkt ist für mich die Heilige Schrift. „Macht euch die Erde untertan“, heißt nicht: Zerstört sie. Wir sind aber am besten Weg sie zu zerstören.
Wie passen Ökologie und Glaube zusammen?
Ökologie ist für mich eine spirituelle Angelegenheit. Ein Stift hat hier die Verpflichtung, in Zusammenarbeit mit den Menschen neue Wege zu gehen. Denn eingefahrene Gleise bringen nicht weiter. Im Einklang mit der Schöpfung zu wirtschaften führt zur Freude an der Arbeit und am Produkt. Da gehört auch die Freude dazu, dass Mitarbeiter/innen Erfolg haben. Wir freuen uns zu wenig.
Produkte aus dem Kloster erleben zur Zeit einen Boom. Was ist, wenn die Welle abebbt?
Unsere Zeit ist sehr kurzlebig. Will man bestehen, braucht man immer neue Produkte mit hoher Qualität. Wir versuchen das in der Käserei und in der Glaswerkstätte – kreativ zu bleiben. Kreativität hängt mit Spiritualität zusammen.
Kunst wird plakativ und ein Lebensmittel ein Schleuderprodukt, wenn die Beziehung zum Inneren fehlt. Ein kreatives Produkt macht immer etwas vom Inneren eines Menschen sichtbar. Man darf beim Wirtschaften auch mit dem Heiligen Geist rechnen.
Worin sehen Sie die Herausforderungen für die Zukunft?
Wir müssen den ökologischen Weg weitergehen oder es wird uns nicht mehr geben. Das Umdenken in der Landwirtschaft bestimmt vor allem der Konsument. Daher mein Appell: Leben wir von den Nahrungsmitteln, die in den Regionen und im Inland produziert werden.