Uhrmachermeister Peter Wofsik in „seinem Reich“: der Turmuhrstube hoch über Aigen, wo er täglich die drei Gewichte der Uhr aufzieht.
Der Uhrmachermeister Wofsik aus Aigen/M. besteigt täglich den Kirchturm, um die alte Turmuhr aufzuziehen. Dabei tritt er in die Fußstapfen seines Vaters.
„Hoch Dollfuß“, „Karl ist ein Dummschädl“ oder „Erztrottel“ kann man an den Wänden lesen. Das Erklimmen des Pfarrkirchenturmes in Aigen gleicht einem Weg in eine andere Zeit. Uhrmachermeister Peter Wofsik geht diesen Weg jeden Tag. Sein Ziel ist die Turmuhr aus dem Jahre 1857, die er täglich aufzieht. Es ist dies keineswegs das erste Ehrenamt des begeisterten Geigenspielers: In der Sparkasse Aigen findet sich ein Fresko, das ihn als Ministranten zeigt.
„Unser Uhrwerk ist etwas Besonderes“, sagt der Spezialist, „sie geht sehr genau.“ Als die Uhr gebaut wurde, wurde das Falschgehen noch in Minuten gemessen. „Meine Armbanduhr hier“, sagt Wofsik, „ist eine Funkuhr. Sie geht in einer Million Jahren nur eine Sekunde falsch. Früher war es den Menschen nur wichtig, dass die Stunden richtig waren, weshalb viele alte Turmuhren mit dem langen Zeiger die Stunden anzeigen. Heute gehen wir anders mit Zeit um.“
Ab und an führt er Interessierte in „sein Reich“ hoch über Aigen. Fast ein Vierteljahrhundert, seit 1980, versieht er sein Ehrenamt in der Pfarre Aigen. Das tägliche Training hat ihm eine gute Kondition gebracht. „An meinem Vater kann man sehen, dass das gesund ist“, lacht Wofsik. Robert Wofsik wurde heuer 100 Jahre alt. Unterbrochen von den Kriegsjahren hat er ab 1926 bis 1980 den Turmuhrendienst versehen und sich täglich die Zeit für Wartung und Pflege der Aigner Turmuhr genommen.
Das „Forum Turmuhr Austria“ arbeitet für das Kulturgut Turmuhr. Infos: michael.neureiter@salzburg.at.