Schleier-Verbot, Schächten, Bau von Moscheen – die Themen des Zusammenlebens mit muslimischen Mitbürger/innen sind keinen Randfragen. Die Problematik wird in den nächsten Jahren, vielleicht sogar Jahrzehnten aktuell bleiben. Daher braucht es eine fundierte Auseinandersetzung mit diesen Fragen. Das Buch von Elisabeth Dörler ist eine hervorragende Basis dafür.
Die Autorin war acht Jahre lang Seelorgerin in der österreichischen St.-Georgs-Gemeinde in Istanbul, studierte an islamischen Hochschulen und hat praktische Erfahrungen im Zusammenleben mit Muslimen. Seit Herbst 2003 engagiert sie sich für den interreligiösen Dialog.
Schwerpunkt von Dörlers Untersuchung, die an der Universität Tübingen als Dissertation angenommen wurde, ist die Situation der Muslime in Vorarlberg. Die Konzentration auf Dörlers Heimat und auf den „Islam der Türkei“ ist aber kein Nachteil, im Gegenteil: Vorarlberg hat mit 8,4 % den höchsten Anteil an Muslimen unter allen Bundesländern und der bei weitem größte Teil der österreichischen Muslime stammt aus der Türkei. Dörler gibt einen Überblick über die Gruppierungen des Islam in der Türkei und deren Transfer nach Österreich, sie führt in den Islam unter dem Gesichtspunkt „Rechtsdenken und Menschenrechte“ ein und erläutert das österreichische Staatskirchenrecht. Ausführlich dokumentiert die Autorin Bildungsprojekte aus Vorarlberg und gibt Anregungen für weitere Aktivitäten. Dörlers Buch ist eine bahnbrechende Arbeit.
Elisabeth Dörler, Verständigung leben und lernen am Beispiel von türkischen Muslimen und Vorarlberger Christen. Feldkirch: Quelle Verlag 2003, 280 Seiten, E 20,–.