Noch nie ist jemand mit 18 Jahren als Dressurreiterin bei der Olympiade gestartet. Victoria Max-Theurer sprach mit der KIZ über Erfolg.
Ich platze ins Training. „Einen Moment noch“, sagt Victoria Max-Theurer. Die Vorbereitungen für Athen laufen auf Hochtouren. „Die Eröffnungsfeier meiner ersten Olympischen Spiele werde ich leider nicht vor Ort miterleben“, sagt die 18-jährige, „aber angeblich sieht man im Fernsehen ohnehin mehr.“ Eigentlich müsste sie noch vier Jahre in Nachwuchsbewerben mitreiten, doch das hat die ehrgeizige Sportlerin übersprungen. Dann hat sich die Möglichkeit geboten, an der Olympiade teilzunehmen.„Für mich zählt vor allem das Dabei-Sein“, sagt sie, „es ist mir wichtig, eine ordentliche Prüfung vorzulegen. Ein Traum wäre es, wenn alles passt, wenn ich in die zweite Prüfung komme.“ Ihr Motto lautet: Ohne Fleiß kein Preis.„Beim Dressurreiten ist die eigentliche Leistung die Ausbildung der Pferde. Man muss ihnen Zeit lassen, sich an den Sport zu gewöhnen. Sie sollen Spaß daran haben. Der eigene Spaß kommt auch nicht zu kurz, sonst würde man den großen zeitlichen, persönlichen und auch finanziellen Aufwand nicht betreiben.“
Wenig Zeit
Zeit ist etwas, was die Sportlerin nicht im Übermaß hat. „Ich habe sonst kein zweites Hobby. Die Schule ist wie ein Beruf, genau so der Sport. In meiner knappen Freizeit suche ich Ruhe, treffe ich Freunde und gehe ins Kino. Disco ist nicht meines und die Nacht kann ich mir auch nicht um die Ohren schlagen, weil ich für das Training fit sein muss.“
Erfolgreich ist sie nicht nur im Sport: Die vierte Klasse HAK hat sie mit Auszeichnung abgeschlossen, obwohl sie 297 Fehlstunden hatte. „Ich bin sehr froh, dass mir die Schule so entgegenkommt, aber da muss dann auch die Leistung stimmen. Die HAK ist für mich wichtig, weil ich in das Unternehmen meines Großvaters einsteigen möchte. Nur vom Reiten zu leben, ist schwierig. Man müsste dann Pferdehandel betreiben und der liegt mir nicht. Wir hängen sehr an unseren Pferden.“
Erfolg entschädigt
Victoria wurde 2003 Staatsmeisterin und heimste bei Junioreneuropameisterschaften sechsmal Bronze und zweimal Silber ein. „Erfolg ist für mich die Entschädigung für die vielen Momente, wenn es im Training und bei Turnieren nicht so gut läuft“, sagt sie. Aber Erfolg ist nicht alles: „Die gute Beziehung zu meiner Familie ist mir das wichtigste“, sagt sie.