Der Geist der Völkerverständigung wird bejubelt werden, wenn in zwei Wochen die Olympischen Spiele in Athen beginnen. In Göteborg war an diesem Sonntag ein gänzlich anderes Lied zu hören: Vom „Schlag ins Gesicht der Spieler“ und der „Diskriminierung einer ganzen Nation“ war da die Rede bei der Eröffnung der Obdachlosen-Fußball-WM. Dem neunköpfigen Team aus Westafrika wurde die Einreise verweigert. Italiens Botschaft, in der Hauptstadt Yaounde für die Schengen-Visa zuständig, blieb hart. Selbst die Titelverteidiger aus Österreich wären fast an der modernen Grenze für Obdachlose und Arme gescheitert. Interventionen von Bundespräsident, Innenministerium und Caritas waren notwendig, damit das Team nach Schweden reisen durfte. Für jede andere Weltmeisterschaft wäre es ein Skandal, dürfte der Titelverteidiger nicht antreten. Die Obdachlosen-Fußball-WM zeigt, was die Hymnen auf die Völkerverständigung wert sind.
Walter Achleitner
Verantwortung
In der sudanesischen Provinz Dafour tobt ein Bürgerkrieg. Hilfsorganisationen versuchen zu helfen, doch Bürokratie und Widerwillen lassen die Hilfe nur zaghaft anlaufen. Warum kann Europa sich nicht einfach zurückziehen? Weil es geschichtlich vorbelastet ist: 1821 geriet der Sudan zuerst in ägyptische, dann in britische Herrschaft. Und seit der Unabhängigkeit 1956 bis heute erlebte das Land nur zehn Jahre in Demokratie. Der Rest war Bürgerkrieg und Diktatur. Als die westlichen Staaten erkannten, dass sie kein Recht haben, andere Staaten als Kolonien zu „halten“, stahlen sie sich aus der Verantwortung für das Chaos, das sie hinterlassen hatten. Heute gilt es, diese Verantwortung wahrzunehmen.