Noch ist es offen, ob der am Wochenende erzielte Kompromiss wirklich zur Globalisierung für alle wird. Es heißt, das von 147 Staaten unterzeichnete Vertragswerk würde dem Welthandel zum Durchbruch verhelfen. Mehr als Absichtserklärungen sind es aber noch nicht, die in Genf unterschrieben wurden. So haben die USA zum Beispiel bislang nur zugesichert, „ehrgeizig und schnell“ die Frage ihrer Subventionen für Baumwolle anzugehen. Washington gibt für 25.000 Baumwollfarmer jährlich rund vier Milliarden Euro aus – vier Mal mehr, als es für Entwicklungshilfe in ganz Afrika aufbringt. Gleichzeitig ist es ein Nachteil für Millionen westafrikanische Pflanzer, die ohne staatliche Fördertöpfe mit ihrer Wolle kaum Gewinne erzielen. Ähnlich verhält es sich mit den zwei Euro, mit denen jede Michkuh pro Tag von der Europäischen Union zugefüttert wird. Ob es für den größten Milchproduzenten wirklich zu Veränderungen kommt, wird sich ab September zeigen, wenn die Details verhandelt werden. Dann wird offenbar, ob Milch aus Europa nicht doch zur Gruppe „sensibler Produkte“ gehören wird, für die auch in Zukunft ein Schutz erlaubt ist. Das nun erzielte Zugeständnis der reichen Nationen, Exportsubventionen abzuschaffen, kommt auf den ersten Blick dem Schlachten heiliger Kühe gleich. Zumindest galten sie als bislang als unüberwindbaren Hürden für fairere Handelsbeziehungen. Ob die Einigung in der Welthandelsrunde tatsächlich die angekündigte Entwicklungsrunde für mehrere Milliarden armer Erdbewohner bringen? Regierungsunabhängige Organisationen sprechen von „Scheinzugeständnissen und Verhandlungstricks“, mit denen der reiche Norden den armen Süden ins Boot gezerrt hat.