P. Michal Kaplánek ist Seelsorger der tschechisch- und slowakischen Gottesdienstgemeinde Linz. Sie hat ein reges Gemeindeleben entwickelt.
Die Lieder erkennt man an der Melodie, der Text ist tschechisch. Rund 25 Personen, viele jüngere darunter, nehmen an diesem Samstag am tschechischsprachigen Gottesdienst in der Kirche der Barm. Brüder in Linz teil. „Außerhalb der Ferien sind es meist um die 40 Messbesucher“, sagt P. Dr. Michal Kaplánek, Seelsorger für die tschechische und slowakische Gemeinde der Diözese.
Besondere Gemeinde
„Ich habe den Eindruck, dass unsere Gemeinde hier einen spezifischen Charakter hat“, sagt der Salesianer, „wir haben viele junge Leute, mit Tschechen und Slowaken zwei Nationen und zu uns kommen Menschen, die zwar zu Hause religiös erzogen wurden, mit dem Weggang aus der Heimat aber Gefahr liefen, sich vom Glauben zu entfernen. Hätten sie nicht die Möglichkeit, den Gottesdienst bei uns zu besuchen, wäre dieser Fall eingetreten.“ Erst neulich holte eine Frau aus der Slowakei in Linz die Firmung nach. Es kommen auch solche die gar nicht katholisch sind, und sie kommen nicht nur, um den Kaffee nach der Messe im Kreise von Landsleuten zu trinken: „Es gibt viele, die sich für religiöse Fragen interessieren“, sagt Kaplánek.Vor der Messe nutzen manche die Gelegenheit, bei Kaplánek die Beichte abzulegen, nachher trifft man sich im Speisesaal des Krankenhauses der Barmherzigen Brüder. Kaplánek ist dankbar für die Unterstützung des Ordens. Er wechselt sich 14-tägig mit P. Laurentius Solar, der aus der Slowakei stammt, als Zelebrant ab. Ehrenamtlich als Pastoralassistent tätig ist ein Student der Kath. Theol. Universität. „Wir haben einen Gebetskreis, Katechese, einen Bibelkreis und ich versuche mit einer Namensliste die Leute anzurufen und zu fragen, ob sie mit uns in Verbindung bleiben möchten“, erzählt Kaplánek.Auf diese Weise ist die Gemeinschaft entstanden: Die Mehrheit kommt aus Linz. Es sind Student/innen, Au-Pair-Mädchen, in Österreich Arbeitende, vor allem aber slowakische Frauen, die in Österreich Pflegedienste leisten. Die meisten arbeiten zwei Wochen fast rund um die Uhr in der privaten Pflege älterer Menschen, dann fahren sie für 14 Tage nach Hause in die Slowakei.
Slowakische Pflegerinnen stehen im Zentrum
Diesen Frauen gilt P. Kapláneks pastorale Sorge: „Es geht mir vor allem um mehr Arbeitsschutz“, sagt er. Die Frauen sind oft ausgebildete Krankenschwestern, die in der Slowakei keine Arbeit finden. In Österreich herrscht ein Mangel an Menschen in Pflegeberufen (siehe Kasten).Ich komme nach dem Gottesdienst mit einer jungen Frau ins Gespräch. Sie erzählt mir, dass sie ausgebildete Operationsschwester ist, in Österreich aber eine ältere Dame betreut, die an Alzheimer leidet. Ihren Mann sieht sie derzeit kaum. Für beide gibt es in der Slowakei keine Arbeit. Nun bemüht sie sich um die Nostrifizierung ihrer Ausbildung, um auch in Österreich in einem Krankenhaus arbeiten zu können. „Derzeit ist es schwierig, aber diese Zeiten gehen hoffentlich einmal vorbei“, sagt sie.So wie ihr geht es vielen Frauen, die in Österreich Pflegedienste leisten. P. Kapláneks Seelsorge setzt damit direkt bei den Problemen der Menschen an. Im Amt folgte er P. Dr. Josef Valerian SDB nach. Dieser hat die tschechisch-slowakische Seelsorge in Linz nach dem Prager Frühling 1968 aufgebaut. In Schulheften hat er seine Bemühungen beschrieben: „21.8.1968: Invasion der russischen Armee in der Tschechoslowakei“, lautet der erste Eintrag. Es folgen Bemühungen um die Seelsorge für die Flüchtlinge.
Erste Messe 1969
Dann war es soweit: „19.1.1969: 1. hl. Messe in Bad Kreuzen. Gut besucht. Sie haben schön gebetet“, berichtet die informelle Chronik. P. Michal Kaplánek hat in Linz sein Doktorat gemacht und in der Seelsorge mitgearbeitet. Nach P. Valerians plötzlichem Tod im Februar 2003 übernahm er dessen Amt. Die tschechische Bischofskonferenz hat ihn nach Linz geschickt, das Bistum Linz hat ihn beauftragt. Er hofft, vom Provinzoberen die Zustimmung zu erhalten, seine Arbeit hier fortsetzen zu können. „Für meine Gemeinschaft in Budweis ist es freilich eine Belastung, dass ich so oft weg bin“, sagt er.