Es wird immer härter, zwischen dem Irak vor und nach Saddams Sturz zu unterscheiden. Seit Samstag gilt wie einst die Todesstrafe, mit der auch George Bush keine Probleme hat. Und am Montag wurde Al Jazeera – der arabische TV-Sender zeigte die ersten Bilder folternder US-Soldaten – (vorerst) für ein Monat eingestellt. Dabei waren die USA ins Feld gezogen, um aus dem Irak eine leuchtende Demokratie in der arabischen Welt zu machen. Doch die irakische Regierung von US-Gnaden zeigt sich als Erfüllungsgehilfin Washingtons. Auch militärisch geht die Strategie auf: immer öfter ist das Bild zu sehen – wie nun in Nadschaf – dass die schmutzige Arbeit und das Sterben die Iraker übernehmen, die gegenseitig Krieg führen. Das nennt sich „Irakisierung“ des Irak-Krieges, so als hätten die USA damit nie etwas zu tun gehabt.
Walter Achleitner
Benzin ist zu billig
Für viele Autofahrer ist die Schmerzgrenze überschritten: Ein Liter Eurosuper kostet im Durchschnitt einen Euro. Der Ärger über den teuren Benzin ist verständlich, dennoch ist der Sprit offensichtlich noch immer zu billig. Nämlich, wenn es darum geht, vom Auto auf umweltscho-nende Alternativen wie das Fahrrad oder öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen. Es stimmt. In ländlichen Gebieten fehlen diese weitgehend. Hier ist vor allem die Verkehrspolitik gefordert, sie zu schaffen. Zugleich wird die Moral, den Bus oder die Straßenbahn zu nehmen, nicht steigen, wenn das Auto billig und damit bequem ist – eine Bequemlichkeit, die aber in Form von Umweltverschmutzung enorme Kosten verursacht. Alleine deshalb bietet der hohe Benzinpreis die gute Gelegenheit, Altgewohntes neu zu überdenken.