Im Donaupark Linz stehen sich Grünalternative Jugend und Polizei gegenüber
Ausgabe: 2004/34, Donaupark, Linz,
17.08.2004
- Heinz Niederleitner
Grünalternative Jugend sieht „willkürliche Polizeirazzien“ im Donaupark. Die Polizei beruft sich darauf, auch die Jugend zu schützen. Bleibt die Frage: Wie verhalte ich mich richtig gegenüber der Polizei?
In Wolf Haas’ Roman „Wie die Tiere“ stehen sich Kleinkindmütter und Hundebesitzer im Kampf um den Wiener Augarten gegenüber. In Linz ist es die Grünalternative Jugend (GAJ), welche die Donaulände von der Polizei bedroht sieht. „Es ist nicht tragbar, dass die Polizei diesen Freiraum systematisch stört“, lautet ihre Meinung. Vor allem „permanente Attacken auf die Privatsphäre von Jugendlichen“ müssten laut GAJ aufhören. Rucksäcke und Hosentaschen würden von der Polizei untersucht. Die GAJ kritisiert vor allem, dass dies ohne konkrete Verdachtsmomente geschehe. „Es reicht nicht aus, dass 150 Jugendliche auf einer Grünfläche sitzen, um solche Handlungen zu rechtfertigen.“
„Natürlich hat die GAJ damit Recht, dass nur dann durchsucht werden darf, wenn ein konkreter Verdacht vorliegt“, räumt Dr. Rudolf Keplinger ein. Die Beamten würden jedoch nicht willkürlich, sondern auf Grundlage der Gesetze verfahren. „Vor allem geht es nicht nur um die Donaulände. Wir haben uns in einer Schwerpunktaktion alle Linzer Parks und die Altstadt angesehen.“
Polizei: „Lände“ ist o.k.
Die Gratiszeitung „Tips“ kritisierte wiederum den von den Jugendlichen auf der „Lände“ zurückgelassenen Unrat. Außerdem sei in den Aussendungen der GAJ nichts von den konfiszierten verbotenen Waffen zu lesen. „Tips“ spricht sich für die Polizeikontrollen aus. Mit der Waffe ist ein Springmesser gemeint, das tatsächlich gefunden wurde. „Natürlich kann von Waffen eine Gefahr ausgehen. Der Besitz des Springmessers ist aber kein Verbrechen, sondern ein Vergehen. Ein Erwachsener darf nämlich sehr wohl ein solches Messer besitzen“, relativiert Polizei-Sprecher Keplinger die Aufregung. Man habe zwar Drogen gefunden, jedoch keine Dealer. „Die Szene an der Donaulände ist großteils o.k.“, betont Keplinger, „Jugendliche brauchen Freiräume, wo sie feiern können. Das ist ja auch schön. Nur sollten sie von Dealern in Ruhe gelassen werden. Wir bleiben am Ball.“
Wie verhalten?
Auch Mag. Christine Winkler-Kirchberger, Kinder- und Jugendanwältin des Landes OÖ, betont, dass Jugendliche ihre Freiräume brauchen. „Und meist verhalten sie sich korrekt“, fügt sie an. Sie empfiehlt Jugendlichen aber, immer einen Ausweis mitzunehmen, damit bei Nachfragen der Polizei das Alter leicht feststellbar ist. Sollte verlangt werden, dass der Rucksack geöffnet wird, sei es besser, den Beamten offen zu begegnen, wenn man nichts zu verbergen hat. Als Beschuldigte, die von der Polizei mitgenommen werden, haben Jugendliche das Recht, eine erwachsene Vertrauensperson zu verlangen. „Das empfehle ich allen Jugendlichen. Sie sind dabei gestärkt und es bietet Sicherheit für beide Seiten“, sagt die Anwältin. Sollte man sich schlecht behandelt fühlen, kann man nach der Dienstnummer des Beamten fragen und/oder sich an die Kinder- und Jugendanwaltschaft wenden.