Ein bisschen hippiemäßig sieht es schon aus, das Cover zu „The Milk-Eyed-Mender“ von Joanna Newsom: bunte Zeichnungen von Ballons, Vögeln und Fischen, Schiffen und ja, einem Einhorn. Man könnte meinen, dass sich dahinter eine Märchenplatte für Kinder versteckt. Und eigentlich ist es auch fast so, nur dass Newsoms musikalische Märchen nicht ausschließlich für Kinderohren bestimmt sind, sondern für jedermann und -frau.
Newsoms kindliche und auch etwas gewöhnungsbedürftige Stimme berichtet dann von Sternbildern und Schwanensee, sie lässt uns an Drachen und Mehlwürmer denken, erzählt uns, dass sogar Weichtiere heiraten und bringt uns zum Schmunzeln, wenn sie etwa singt: „I killed my dinner with karate“. Musikalisch bewegt sich Joanna Newsom im traditionellen Folkbereich. Doch anstelle von Gitarren und Schlagzeug gibt’s hier Harfe, Piano und Wurlitzer zu hören. Und wenn die Sängerin zur Märchenstunde ruft, wir also die CD auflegen, dann am besten in den Discman und dann barfuss ins Grüne – sich, mit Joannas Stimme im Ohr, unter den nächsten Baum legen.
Joanna Newsom – The Milk-Eyed-Mender (erschienen bei Drag City)