Die kritischen Worte der Festrednerin Anna Mitgutsch taten der guten Stimmung bei der Eröffnung des Brucknerfestes keinen Abbruch – so kommentierte ein Fernseh-Journalist in seinem Bericht Mitgutschs Worte. Schade. Zumindest einekleine „Verstimmung“ wäre nach dieser exzellenten Festrede durchaus angebracht gewesen.
Mitgutsch sprach viele heikle Punkte an, die uns wie eine Nadel ins Fleisch treffen könnten. Ihr Unbehagen am Zeitgeist machte sie fest am ungebrochenen Fortschrittsglauben und berechnenden Nützlichkeitsdenken, der alle, die nicht mithalten können, immer weiter an den Rand drängt. Denn nur ein Bruchteil der Weltbevölkerung könne am Wohlstand teilnehmen. Die Schere zwischen den wenigen, die sich totale Bedürfnisbefriedigung leisten können, und denen, deren Armut im Wachsen ist, werde immer größer – so sieht Mitgutsch die Welt, in der wir leben.
Ernste Worte, die im Brucknerhaus gefallen sind. So gesehen, ... bin auch ich nicht „verstimmt“, sondern gratuliere den Veranstaltern zum Mut, bei einem freudigen Festakt einer mahnenden Stimme Raum zu geben.