Vergangenes Jahr hat sie die KIZ sehr gelobt: die Jugend-Feriennetzkarte der ÖBB. Heuer erfuhr sie von den nicht so schönen Seiten dieses Angebotes.
Den ganzen Sommer das Netz der ÖBB benutzen und dafür nur 19,– (Vorteilscard!) bzw. 29,– Euro zahlen? Jugendliche können das mit der Feriennetzkarte. Also: Auf ins Vergnügen, auf umweltfreundlichen Schienen – fast geschenkt! Aber Achtung: Das Ganze hat einen Haken – die Karte gilt nur von 8 bis 24 Uhr. Der Pendlerverkehr solle durch die Jugendlichen nicht behindert werden, heißt es bei den ÖBB.
Eine Reise nach Innsbruck
Diese Regelung kann aber zu Problemen führen: Eine Gruppe Jugendlicher hat letzte Woche Innsbruck besucht. Sie nahmen den Zug von Linz um 7.45 Uhr, weil diese Verbindung im Gegensatz zu jener um 7.52 kein Umsteigen erfordert und rund 50 Minuten kürzer ist. Der nächste Zug wäre erst um 9.13 Uhr gegangen – ein Zeitverlust an einem schönen Ausflugstag von zwei Stunden. „Der Schaffner hat uns aber dann gesagt, die Karten seien ungültig“, erzählt die 16-jährige Theresa. Naja, man war ja 15 Minuten vor acht in Linz losgefahren. Die Freunde erwarteten also, die Fahrt bis Wels, wo der Zug gegen 8 Uhr durchfährt, zahlen zu müssen. Pech war nur, dass der Zug nicht in Wels stehen bleibt. Der Schaffner verlangte das Fahrgeld bis Salzburg, dem nächsten Halt des Zuges. „Er hat gesagt, er will nicht weiter mit uns diskutieren – wir hätten das aber schon noch gerne mit ihm besprochen“, sagt Theresa.
Stutzig machte die Gruppe vor allem, dass einige mit der Mühlkreisbahn deutlich vor acht Uhr nach Linz gefahren waren. Und da hatten die Schaffner gemeint, das ginge schon in Ordnung mit der Feriennetzkarte – sie bräuchten nicht extra zu zahlen.
Schaffner im Recht
„Ich bin überrascht durch solche Zusagen von einem Schaffner“, sagt Mario Brunnmayr, der Pressesprecher der ÖBB für Oberösterreich. „Der Schaffner im Zug von Linz nach Innsbruck hat korrekt gehandelt. Es ist leider so, dass die Jugendlichen an das Zeitlimit gestoßen sind.“ Hätte die Gruppe den Zug um 7.52 Uhr genommen, hätten sie trotzdem bis Salzburg zahlen müssen: Auch dieser Zug fährt durch. Nur eine zweistündige Wartezeit hätte ihnen das Geld erspart.
Fazit: Die Gruppe kam (gegen 23 Uhr, also rechtzeitig) von einem schönen Ausflug nach Innsbruck zurück, ärgerte sich aber über die Fahrt, die teurer war als geplant. Auf der Homepage der ÖBB hieß es, die Karte gelte „Montag bis Freitag ab 8.00 Uhr“ – davon, dass man sich auch angehalten auf einem Bahnhof befinden muss, stand da nichts.
Vielleicht können wir aus dem Schaden der Gruppe etwas lernen: dass man einem (fast) geschenkten Gaul doch besser genau ins Maul schaut! Wie hieß es doch im „Bundesbahnblues“ von Gerhard Bronner: „There is just the Fahrplan, of the Bundesbahn to blame, zu blöd.“