Ausgabe: 2005/19, Das Gewissen Europas, Kopf der Woche, Kevin McNamara, Labour-Politiker
13.05.2005
- Hans Baumgartner
Wenige Tage vor seinem Abtritt aus der Politik zeigte der Labour-Politiker Kevin McNamara noch einmal sein Kämpferherz.
Seit Mitte der 60er Jahre ist Kevin McNamara in der englischen Labour-Party politisch tätig. Zunächst engagierte sich der Geschichts- und Rechtslehrer in der Regionalpolitik in Hull North (Mittelengland). Mit Tony Blairs Wahlsieg 1997 zog er in das Unterhaus ein. Am Donnerstag vergangener Woche stellte sich der 71-Jährige nicht mehr der Wahl.
Doch wenige Tage zuvor zeigte McNamara in der Parlamentarischen Versammlung des Europarates noch einmal sein „Kämpferherz“. Trotz Anfeindungen aus der sozialistischen Fraktion stritt er vehement und wortgewaltig gegen die Vorlage, mit der die Tür zur Euthanasie (aktive „Sterbehilfe“) geöffnet werden sollte. Als erster Debattenredner warnte er eindringlich vor dem belgischen und niederländischen Beispiel, wo bereits 25 Prozent aller lebensbeendende Maßnahmen ohne Einwilligung der Betroffenen vollzogen würden. McNamara brachte daraufhin 31 Abänderungs-anträge ein und hat damit wesentlich zur Ablehnung der Vorlage beigetragen.
Charakter und Zivilcourage zeigte der überzeugte Katholik auch wiederholt im englischen Parlament. Er hat sich gegen den Irak-Krieg ausgesprochen und vehement gegen die Einschränkung der Bürgerrechte durch Anti-Terrorgesetze gekämpft. Der Friede in Nordirland und die Verbesserung des Gesundheitswesens waren ihm große Anliegen.