Ausgabe: 2005/19, Geist und Ungeist, Geist Gottes, Pfingsten
13.05.2005
- Matthäus Fellinger
Dumm waren sie nicht – die vor achtzig Jahren begannen, in Deutschland die Macht an sich zu reißen, und die schließlich die Welt in Blut und Asche tauchten. Dumm waren sie nicht, wenn man damit die Techniken meint, mit denen es ihnen gelang, Gegner auszuschalten und Menschen für sich zu gewinnen, ja, sie für sich zu begeistern. Eine dichte Zeit des Bedenkens und Gedenkens prägt in diesen Tagen – 60 Jahre nach dem tiefen Fall dieser Machthaber – den öffentlichen Dialog.
Aber weLCher Geist war es, der dazu führte? Der Geist der Überlegenheit, der nur dem Starken ein Lebensrecht zugestand – und der alles auslöschen wollte, was diesem entgegenstand. Man sprach viel von der Liebe zum Vaterland damals und meinte nur sich selbst. Eine blinde Liebe, die den Menschen im Leidenden nicht mehr wahrnahm, ihn als überflüssig und hassenswert abschrieb.
Es ist Pfingsten. Und wieder ist von Geist die Rede. Es ist jener so ganz andere Geist, der zur eigenen Stärke nicht die Niederlage des Gegenübers braucht, sondern sich im Wohl des Nächsten erst selbst glücklich weiß. Er muss niemanden niederzwingen, er denunziert und verrät nicht. Er schickt keine Spitzel aus und hat sein Ohr doch ganz nah bei den Menschen, um zu hören, wo Not ist. Gott sei Dank: Es gibt diesen anderen Geist auf der Welt, der nicht im Menschen seinen Ursprung hat. In seinem Licht nimmt sich die Raffinesse der Mächtigen von damals als riesige Dummheit aus.