Ausgabe: 2005/22, Rufer der Vergessenen, Kopf der Woche, Brasilien, Romero-Preis, Zgubic, Gefängnis
02.06.2005
- Hans Baumgartner
Seit 17 Jahren kämpft er gegen das Elend an. In den Gefängnissen Brasiliens schaut er täglich in menschengemachte Höllen. Heuer bekommt Günther Zgubic den Romero-Preis.
1988 ging der 1949 in Pöls geborene Grazer Diözesanpriester Günther Zgubic nach Brasilien. In einem der ärmsten Viertel von São Paulo begann er mit dem Aufbau einer Pfarre. Doch das Elend der Obdachlosen, der Straßenkinder, der Aids-Kranken und Prostituierten ließ ihn nicht los. 1995 zog er ganz zu ihnen in eine Behelfsbehausung und lebte mit ihnen auf der Straße im Zentrum der Metropole. In dieser Zeit besucht er „seine“ Leute auch in den Gefängnissen und blickte „in eine Hölle“: Folter, Misshandlungen, Gewalt, zig-fache Überbelegung, unbeschreibliche gesundheitliche und hygienische Zustände und immer neue Revolten waren an der Tagesordnung – und sind es bis heute. 1997 beschloss Günther Zgubic, sich ganz den Gefangenen in São Paulo zu widmen. Seit 2002 ist er Koordinator der Gefängnisseelsorge der Kirche Brasiliens.
Günther Zgubic ist es zu danken, dass die entsetzlichen Missstände in den Gefängnissen Brasiliens weltweit bekannt wurden und 1999 zu einer großen Kampagne führten. Bis auf wenige Ausnahmen habe sich seither wenig gebessert. Die Gewalt in den Gefängnissen und im Land nehme weiter zu, beklagt Zgubic. Die Regierung Lula habe zwar Verbesserungen, zumindest für inhaftierte Jugendliche, versprochen: „Geschehen aber ist überhaupt nichts. Und auch das Interesse der europäischen Regierungen und Menschenrechtsaktivisten wird immer weniger“, kritisiert Zgubic. Der Romero-Preis der Kath. Männerbewegung Österreichs will auch an die „vergessenen Gefangenen“ erinnern.