Ausgabe: 2005/22, Fronleichnam, Tag des Lebens, Zweiter Weltkrieg,
02.06.2005
- Matthäus Fellinger
Die Feierlichkeiten zum Ende des Zweiten Weltkrieges und zum Staatsvertrag sind vorbei, die Fahnen vielfach eingeholt. Und vor einer Woche hat man in der katholischen Welt Fronleichnam gefeiert. Damals – 1945 – war Fronleichnam eine Woche später – am 1. Juni. Für Tausende ist es der Erinnerungstag an die grausamsten Ereignisse ihres Lebens.
Am Vorabend von Fronleichnam, dem 30. Mai 1945, wurden in der Stadt Brünn die Deutschsprachigen zusammengetrieben. Die ganze Nacht über hatten sie in Reih und Glied zu stehen, ehe am Fronleichnamstag selbst der Marsch zur österreichischen Grenze begann. Ausgeplündert und grausam gemartet erreichten viele nicht einmal mehr Pohrlitz vor der österreichischen Grenze. Dieser „Fronleichnamszug“ war nicht von Blasmusik und Fahnen begleitet, kein „Himmel“ spendete Schatten für die Träger des Allerheiligsten. Dies nämlich war ein Zug von Menschen, getrieben von Leuten, denen nichts heilig war. Ein mächtiges Gewitter setzte den Erschöpften zusätzlich zu – und viele starben auch noch, nachdem sie die österreichische Grenze überschritten hatten.
Eine Woche nach dem Fronleichnamsfest hat die Erinnerung an den Fronleichnamszug von Brünn 1945 ihren doppelten Sinn. Das „Allerheiligste“, das Menschen verehren, ist Christus, der Menschgewordene.Im heurigen Jahr fällt dieser Tag – der 1. Juni – mit dem Tag des Lebens zusammen. Leben zu schützen, statt es zu missachten oder gar mit Füßen zu treten, bleibt aufgegeben.