Ausgabe: 2005/23, Fischler, EU-Verfassung, Kommentar, Dziwisz, Privatsekretär, Johannes Paul II.,
08.06.2005
Der Katzenjammer
Bei allem Katzenjammer über das Nein zur EU-Verfassung in Frankreich und den Niederlanden darf eines nicht übersehen werden: Mit der Verfassung wurde der Esel an Stelle des Herrn geschlagen. Denn wer wollte mit seinem Nein schon wirklich gegen mehr Demokratie und mehr Handlungsfähigkeit stimmen? Diese Anliegen der Verfassung aber haben kaum eine Rolle gespielt. Es ging um die Politik der EU und die Politik in den betreffenden Mitgliedsländern. Exkommissar Franz Fischler sagte es sehr deutlich: Die EU muss die Ausrichtung ihrer Politik unter den Bedingungen der Globalisierung neu festlegen. Wollen wir eine ökosoziale Marktwirtschaft und wie soll die unter den neuen Rahmenbedingungen aussehen? Bisher sind die meisten Mitgliedsländer und die EU insgesamt die Antwort schuldig geblieben.
Hans Baumgartner
Feiner Unterschied
Stanislaw Dziwisz war 39 Jahre lang der stille Privatsekretär hinter Karol Wojtyla. Dabei war es kein Geheimnis, dass sein Einfluss im Vatikan mit fortschreitender Krankheit des Papstes gestiegen war. Doch sein jüngstes Bekenntnis wirft ein neues Licht auf die diskrete Tätigkeit von „Don Stanislaos“. Weil die persönlichen Aufzeichnungen von Johannes Paul II. so kostbar seien, habe er diese nicht verbrannt. Dabei hatte ihn der Verstorbene im Testament ausdrücklich damit beauftragt. Warum sich Dziwisz, Krakaus neu ernannter Erzbischof, nun über Wojtylas letzten Willen hinwegsetzt? Pius XII. konnte sich noch verlassen, dass sein Testament erfüllt wurde. Aber er hatte auch angeordnet, dass Sr. Pasqualina Lehnert, seine Haushälterin, die Aufzeichnungen verbrennen möge.