Ausgabe: 2006/14, Dinkelbach, Für Leib und Seele, Taizé, Die Quellen von Taizé,
06.04.2006
Das Wort „Quelle“ gehört zu den schönsten Worten dieser Welt. Zu den Worten, die Assoziationen wecken, Bilder hervorrufen, Sehnsüchte beleben: Die Quelle in der Wüste, die Quelle im Gebirge, die Quelle im Tal; spru-delnd, erfrischend, murmelnd, hell und klar, ganz versteckt vielleicht. Dort kann man trinken, dort kommt es frisch aus der Erde. Ein schönes Bild – im Sommer wie im Winter. Im ersten Fall für die müden Füße und ausgetrockneten Kehlen. Im zweiten Fall für das staunende Auge: die Quelle, das bewegte Wasser, stärker als Kälte und Frost. Sie blubbert munter durch Schnee und Eis hindurch, bildet Eiszapfen, die in der Sonne funkeln und glitzern. Wer kennt nicht diese Bilder von Spaziergang und Wanderschaft! Oder die Faszination, die Quelle eines großen Flusses aufzusuchen. Ich erinnere mich gut, wie mein Vater uns Kinder zur Ruhr-Quelle führte und wir staunend gewahr wurden, was für einen kleinen zarten Anfang das nahm, worauf wir daheim Bootfuhren und was wir auf einer großen Brücke überqueren mussten. „Die Quellen von Taizé“ heißt die Ordensregel der Brüderge-meinschaft in Burgund, die so vielen Menschen Hoffnung und Vertrauen schenkt. Was bedeutet das Wort „Quelle“ im übertragenen Sinne – gibt es auch Worte, die erfrischen, stärken, Staunen erwecken, stärker sind als Kälte und Eis? Wo ist die Quelle des Lebens? Jesus sagt von sich, dass Er in uns zur sprudelnden Quelle werden will (Joh 4,14).