Der Hunger in der Welt geht auch Österreich etwas an
Ausgabe: 2008/24, Katastrophe, Menschen, Hunger, Tod, Sterben, Österreich, Nahrung, UN, Rom
11.06.2008
- Hans Baumgartner
Die Zeichen stehen auf Sturm. Der dramatische Preisanstieg bei Grundnahrungsmitteln treibt immer mehr Menschen in Armut und Hunger. Eindringlich forderte Papst Benedikt vom UN-Gipfel in Rom neue Strategien zur Lösung der Nahrungsmittelkrise.
Eigentlich wollte sich die UN-Welternährungsorganisation FAO bei ihrem Gipfeltreffen vergangene Woche mit den Auswirkungen des Klimawandels auf die Landwirtschaft beschäftigen. Hungerrevolten in zahlreichen armen Ländern machten daraus einen Krisengipfel. In den vergangenen Monaten stiegen weltweit die Preise für Grundnahrungsmittel um über 50 Prozent. Nach Angaben der internationalen Hilfsorganisation Oxfam brauchen deshalb mindestens 290 Millionen Menschen in 53 Ländern eine rasche Notfallhilfe. 9,3 Milliarden Euro wären dafür notwendig.
Recht auf Nahrung. „Es gibt für Menschen nichts Entwürdigenderes als Hunger, der von Menschenhand gemacht ist“, sagte UN-Generalsekretär Ban Ki-moon zur Eröffnung des FAO-Gipfels in Rom. Und Papst Benedikt ließ die Gipfelteilnehmer wissen, dass es ein Recht auf Nahrung gebe, das in der Würde des Menschen begründet ist. Es sei daher inakzeptabel, dass Menschen in einer Welt, die über ausreichende Ressourcen verfüge, an Hunger und Unterernährung leiden. Neue weltweite Strategien seien daher notwendig, meinte der Papst. Scharfe Worte fand er gegen die AgrarHandels- und Subventionspolitik der reichen Länder und gegen die Bösenspekulationen mit Nahrungsmitteln.
Die Ursachen. Die Koordinierungsstelle für Mission und Entwicklung der österreichischen Bischofskonferenz listet eine Reihe von Ursachen für die Nahrungsmittelkrise auf. Die von den reichen Ländern beherrschte internationale Handels- und Wirtschaftspolitik (subventionierte Agrarimporte in arme Länder, Förderung der exportorientierten Landwirtschaft in Entwicklungsländern u. a.) führte in vielen armen Regionen zum Niedergang der lokalen bäuerlichen Landwirtschaft und zu einer Verknappung von Grundnahrungsmitteln. Durch die Zurücknahme von Entwicklungsprogrammen für den ländlichen Raum wurde die Situation verschärft. Der wachsende Wohlstand in großen Ländern wie China und Indien hat zu einer steigenden Nachfrage von Agrarprodukten geführt. Gleichzeitig hat der steigende Ölpreis zur Folge, dass immer mehr landwirtschaftliche Flächen für die Erzeugung von Agrarsprit verwendet werden. So etwa kam es im Vorjahr in Mexiko zu anhaltenden Protesten gegen die hohen Maispreise, nachdem die USA einen Großteil der Ernte für die Spriterzeugung aufgekauft hatten. Und schließlich treiben auch Börsenspekulationen die Preise in die Höhe.
Die Forderungen. Die Leidtragenden sind vor allem jene 900 Millionen Menschen, die aufgrund ihrer Armut schon bisher drei Viertel ihres Einkommens für die Ernährung ausgeben mussten. Die KOO fordert von Österreich und anderen reichen Ländern, rasch und entschlossen zu handeln. Neben einem Notprogramm gegen den drohenden Hungertod müssten nun endlich einmal die schon vor 30 Jahren versprochenen Entwicklungshilfemittel bereitgestellt und vorrangig für die Bekämpfung von Armut und Hunger eingesetzt werden. Dafür müsste die Regierung mehr Geld für direkte Hilfe in die Hand nehmen. Weiters soll Österreich in der EU und bei internationalen Handels- und Finanzorganisationen für eine Änderung der Politik eintreten, mit dem Ziel, nachhaltige Produktion und Ernährungssicherheit zu fördern.
„Wenn einer am Hunger zu sterben droht, dann gib ihm zu essen. Andernfalls bist du für seinen Tod verantwortlich.“
Mönch Gratian, zitiert von Papst Benedikt zum FAO-Gipfel in Rom