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Auf Abrahams Spuren in Linz

Ausgabe: 2008/25, Abraham, Spuren, Krypta, Tiefe, Glaubensräume, Religionen, Schlagnitweit
18.06.2008
- Elisabeth Leitner
Auf ungewöhnliche Spurensuche machten sich zwölf Kunstinteressierte am Freitag Nachmittag: Sie besuchten unter dem Motto „Abrahams Zelte“ Glaubensräume der drei Weltreligionen Christentum, Judentum und Islam in Linz. Die verschiedenen Glaubensräume spiegeln die jeweilige Gebetspraxis und Lehre wider und sind Zeugen der jeweiligen Zeit, in der sie entstanden sind.

Die Veranstaltungsreihe „Abrahams Zelte“ greift auf die biblische Figur Abrahams zurück. Mag. Martina Gelsinger hat für das Bildungshaus Puchberg eine ungewöhnliche Reise durch verschiedene Glaubensräume in Linz zusammengestellt. Moderne und historische Kirchenräume wurden dabei genauso besichtigt wie ein Gebetsraum einer islamischen Religionsgemeinde und die Synagoge in der Linzer Betlehemstraße.

Was einen Gebetsraum ausmacht. „Ein Gebetsraum ist kein Wohnzimmer“, erklärt Dr. Markus Schlagnitweit, KHG-Seelsorger, die Idee für den „Raum der Stille“ in der Kath. Hochschulgemeinde. Der Raum der Stille ist für alle Religionen offen und dementsprechend leer. Für eine Besucherin wirkt der Raum „wie eine luxuriöse Waschküche“. Die Leere des Raumes ist für manche zunächst abschreckend. Die fehlende Ablenkung durch Bilder, Teppiche, Blumen ermögliche aber eine intensive Gebetshaltung. „Du bist auf dich selbst zurückgeworfen“, sagt ein Teilnehmer. „Die Erfahrung zeigt: Die Feiergemeinde muss den Raum selbst mit Leben füllen“, erzählt Schlagnitweit aus der Praxis.

Das ganze Leben. Die Verbindung von Innen- und Außenräumen ist in der nächsten Station – der Seelsorgestelle Elia in der Solarcity – ein zentrales Thema. Der multifunktionale Feierraum samt offenem Foyer wird vielfältig genutzt: Gottesdienste, Hochzeiten, Taufen, Geburtstage werden hier gefeiert. „Das ganze Leben findet hier statt. Es ist schön, beim Feiern Gott so nah zu sein!“, ist Pfarrmitglied Anita Pölzleitner ganz begeistert vom Raumkonzept der Seelsorgestelle, die seit 2006 ihre Tore geöffnet hat.

Beten, Feiern, Reden. Schuhe im Vorraum ausziehen, heißt es dann im Gebetsraum der islamischen Religionsgemeinde in der Glimpfingerstraße. Der Gebetsraum soll von Verunreinigungen freigehalten werden, so sieht es das kultische Reinheitsgebot vor, erklärt der Sprecher der islamischen Religionsgemeinde Moussa al Hassan Diaw. „Suchen Sie sich eine Säule, nehmen Sie ruhig Platz“, lädt er zum Verweilen ein. Der Raum ist schlicht gestaltet, die Gebetsnische (Mihrab) und die Kanzel (Minbar) fallen hier besonders auf. „Hier wird das rituelle Gebet (z.B. Freitagsgebet) verrichtet, der Raum ist aber auch sozialer Treffpunkt“, erklärt Moussa al Hassan Diaw. Für viele Teilnehmer/innen ist es der erste Besuch in einem islamischen Gebetsraum.

Interesse am Dialog. Den Abschluss bildet die Synagoge in der Betlehemstraße. Eine Führung und ein gemeinsames Gebet sorgen abermals für neue Eindrücke. Maria Hornsby-Tichy aus Seewalchen ist von der Exkursion beeindruckt: „Ich war immer schon am interreligiösen Dialog interessiert. Solche Angebote gibt es bei uns halt nicht“.





Stammvater Abraham

Abraham, der Hirte und Herdenbesitzer, ist als Prophet eine zentrale Figur des Alten bzw. Ersten Testaments. Er wird hier als Stammvater Israels beschrieben. Abrahams Geschichte wird im Buch Genesis erzählt. Er gehört zusammen mit seinem Sohn Isaak und seinem Enkel Jakob zu den Erzvätern, aus denen die zwölf Stämme des Volkes Israel hervorgingen. Neben dem Judentum berufen sich sowohl muslimische als auch christliche Glaubenstradition auf Abraham als Stammvater und werden deshalb auch als „abrahamitische Religionen“ bezeichnet.

Glaubensräume

Zeit, Ort und Religion prägen die Architektur. Umgekehrt beeinflusst die Architektur das Glaubensleben: Ein Feierraum kann gemeinschaftsfördernd sein oder zur Stille hinführen, er kann wie eine bergende Höhle oder ein geöffneter Himmel wirken. Die Architektur gibt Aufschluss über wichtige Eckpunkte der jeweiligen Religion, aber auch über die Zeit, in der der Raum geschaffen wurde. Neben dem ersten, unmittelbaren Eindruck können zur genaueren Betrachtung folgende Fragen hilfreich sein:
- Welcher Ort wird zum Beispiel der Verkündigung der jeweils heiligen Schriften eingeräumt? Dies ist z.B. ein wichtiges Moment in allen drei abrahamitischen Religionen.
- Ermöglicht dieser Raum Kommunikation, Stille, Konzentration, Dialog?
- Was sagt der Raum über das jeweilige Kunstverständnis und seine Gläubigen aus?
- Was brauche ich, um einen Raum als „heilig, sakral“ zu empfinden?
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