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Der sprichwörtliche Spatz

12. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr A), 22. Juni 2008
Ausgabe: 2008/25, Sonntag, Schachinger, der sprichwörtliche Spatz, 12. Sonntag im Jahreskreis, Evangelium, Lesung, Mysterium, Arme-Leute-Essen, Rose Ausländer, Risiko, Welt, Teufel, Böse, Jeremia
18.06.2008
Nicht einmal der Spatz, das mit Abstand billigste Geflügel auf dem Markt und Arme-Leute-Essen, fällt zur Erde ohne den Willen des Vaters – und „ihr seid mehr wert als viele Spatzen“. Ein Haar ist der geringste Teil eines Menschen, „bei euch aber sind sogar die Haare auf dem Kopf alle gezählt“. Um was es hier nicht geht: über die Weltordnung zu spekulieren. Um was es geht: Fürchtet euch nicht! Gerade in Not und Verfolgung – wie Jeremia sie erlebte, wie die Jünger/innen Jesu sie erlebten, wie Menschen sie auch heute noch erleben – Gott ist den Menschen treu und sorgt für sie, „er rettet das Leben des Armen“.


Evangelium


Mt 10, 26–33

Darum fürchtet euch nicht vor ihnen!
Denn nichts ist verhüllt, was nicht enthüllt wird, und nichts ist verborgen, was nicht bekannt wird. Was ich euch im Dunkeln sage, davon redet am hellen Tag, und was man euch ins Ohr flüstert, das verkündet von den Dächern. Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht töten können, sondern fürchtet euch vor dem, der Seele und Leib ins Verderben der Hölle stürzen kann. Verkauft man nicht zwei Spatzen für ein paar Pfennig? Und doch fällt keiner von ihnen zur Erde ohne den Willen eures Vaters. Bei euch aber sind sogar die Haare auf dem Kopf alle gezählt. Fürchtet euch also nicht! Ihr seid mehr wert als viele Spatzen. Wer sich nun vor den Menschen zu mir bekennt, zu dem werde auch ich mich vor meinem Vater im Himmel bekennen. Wer mich aber vor den Menschen verleugnet, den werde auch ich vor meinem Vater im Himmel verleugnen.


1. Lesung


Jer 20, 10–13

[Jeremia sprach . . .] hörte ich doch das Flüstern der Vielen: Grauen ringsum! Zeigt ihn an! Wir wollen ihn anzeigen. Meine nächsten Bekannten warten alle darauf, dass ich stürze: Vielleicht lässt er sich betören, dass wir ihm beikommen können und uns an ihm rächen. Doch der Herr steht mir bei wie ein gewaltiger Held. Darum straucheln meine Verfolger und kommen nicht auf.
Sie werden schmählich zuschanden, da sie nichts erreichen, in ewiger, unvergesslicher Schmach. Aber der Herr der Heere prüft die Gerechten, er sieht Herz und Nieren. Ich werde deine Rache an ihnen erleben; denn dir habe ich meine Sache anvertraut. Singt dem Herrn; denn er rettet das Leben des Armen aus der Hand der Übeltäter.


2. Lesung


Röm 5, 12–15

Durch einen einzigen Menschen kam die Sünde in die Welt und durch die Sünde der Tod, und auf diese Weise gelangte der Tod zu allen Menschen, weil alle sündigten. Sünde war schon vor dem Gesetz in der Welt, aber Sünde wird nicht angerechnet, wo es kein Gesetz gibt; dennoch herrschte der Tod von Adam bis Mose auch über die, welche nicht wie Adam durch Übertreten eines Gebots gesündigt hatten; Adam aber ist die Gestalt, die auf den Kommenden hinweist. Doch anders als mit der Übertretung verhält es sich mit der Gnade; sind durch die Übertretung des einen die vielen dem Tod anheim gefallen, so ist erst recht die Gnade Gottes und die Gabe, die durch die Gnadentat des einen Menschen Jesus Christus bewirkt worden ist, den vielen reichlich zuteil geworden.



Mysterium

Die Seele der Dinge
lässt mich ahnen
die Eigenheiten
unendlicher Welten

Beklommen
such ich das Antlitz
eines jeden Dinges
und finde in jedem
ein Mysterium.
Geheimnisse reden zu mir
Eine lebendige Sprache

Ich höre das Herz des Himmels
pochen
in meinem Herzen

Rose Ausländer



Wort zum Sonntag


Unser wirkliches Risiko in dieser Welt!

Wir alle sind gemeint, wenn Jesus sich in seiner Aussendungsrede an die Apostel richtet. Das Apostel-Sein, zu dem wir berufen sind, birgt auch Risiken. Jesus spricht den Jüngern immer wieder Mut zu und relativiert die Bedrohungen, die diese Welt uns entgegenbringen kann.
Verglichen mit den Risiken für eine künftige Welt, scheinen die Risiken dieser Welt gering. Es gibt jemand, der Leib und Seele ins Verderben stürzen kann. Es gibt das Böse, das wir in der Person des Teufels denken, und dem wir uns widersetzen müssen. Oft ist es nicht das machtvolle Böse, das den Alltag prägt und stört. Meist durchdringt es leise und schleichend unsere Welt, unser persönliches Leben. Das Kranke, Verdorbene, entsolidarisierte Leben kommt langsam und unbemerkt, wie z. B. bei der Alkoholabhängigkeit. Die Selbstwahrnehmung ist getrübt und lässt uns im Glauben, dass alles in Ordnung ist, dass es keinen Grund gibt, etwas zu überdenken oder gar zu ändern. Es gibt für alles eine Begründung, und die wird gerne als Entschuldigung hergenommen und drängt ein Sündenbewusstsein in den Hintergrund. Dadurch bedarf es auch keiner Umkehr, und der Einzelne ist für seine Taten nicht verantwortlich. Das meint Jesus allerdings nicht, wenn er sagt: „Fürchtet euch nicht!“
Die Furchtlosigkeit kommt aus dem Erkennen und Unterscheiden von Gut und Böse, dem Wissen um einen barmherzigen Gott und der Bereitschaft immer wieder neu anzufangen. Wer sich zu Gott bekennt, der erkennt, was lebensförderlich ist und dem dreifachen Liebesgebot entspricht. Wer sich zu Gott bekennt, lebt in der Gewissheit, dass er ein ewiges Leben hat. Wer sich zu Gott bekennt, braucht sich vor nichts zu fürchten.

Zum Weiterdenken

Erkennst du deine schleichende Abwendung von Gott?
Wie oft hast du schon die Verantwortung für eine Handlung abgeschoben anstatt auf den barmherzigen Gott zu vertrauen?
Erkennst du die wirklichen Risiken deines Lebens?


Martin Schachinger Pfarrassistent, Leiter des Aufbaus der neuen Seelsorgestelle Linz solarCity, Gemeindeberater und Supervisor; verheiratet und Vater von Nathalie und Niklas.

Den Autor erreichen Sie unter

sonntag@kirchenzeitung.at
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