Ausgabe: 2008/26, Teil der Hoffnung, Leitartikel, Pfarrer, Berufsimage, Priester, Priesterberuf, Zukunft, Hoffnung
25.06.2008
Wenn ich damals gewusst hätte, was auf mich zukommt – ich hätte mich nicht getraut. So erzählte es ein Priester im besten Alter – bei Pfarrern das sonst übliche Pensionsalter. Dennoch: „Bereut habe ich es nie.“ Zwei junge Männer werden in Linz zu Priestern geweiht. In der Tat, sie trauen sich was. Denn nach menschlichem Ermessen werden sie eine höchst anspruchsvolle Aufgabe vor sich haben. Immer weniger Priester, dafür für immer mehr zuständig. Das Berufsimage ist auch nicht mehr, wie es einmal war. Trotzdem sagen sie ja – ohne zu wissen, wie es werden wird – oder gerade deshalb? Aber wer kann sagen, dass von Jahr zu Jahr alles nur komplizierter und schwieriger wird? Der Blick in die Zukunft ist heute ebenso wenig möglich wie bei jenen, die vor vielen Jahren ihren Dienst begonnen haben. Nicht nur Priestern geht es so. Die Angestellte im Büro hat dasselbe Empfinden, der Landwirt, der seinen Betrieb immer mehr rationalisieren muss, auch. Und die Paare, die vor der Frage stehen, ob sie Kinder haben wollen. Was bringt die Zukunft? Trotzdem sagen sie ja – zu ihrer Aufgabe, zu ihrem Leben – damit der Spielraum des Lebens erhalten bleibt. Sie wissen, dass die Hoffnung nicht wie etwas Fremdes daherkommt, sondern dass man selbst Teil der Hoffnung ist.