„Nur Du. Allein“ – so lautet der Titel ihres neuen Romans. Die Schriftstellerin Marlen Schachinger war damit im Stifterhaus Linz zu Gast. Wie sie zu ihren Themen kommt, darüber sprach die Autorin mit der KirchenZeitung.
Der Roman kreist um vier Freundinnen und ihre Geheimnisse. Das Schweigen legt sich wie ein schwerer Stein auf ihre Seele ... Marlen Schachinger: Das, worüber nicht gesprochen werden kann, nimmt immer mehr Raum ein. Sie schweigen, weil sie einander und sich selbst schonen wollen. Doch der Schuss geht nach hinten los, denn Anteilnahme und Nähe sind nicht mehr spürbar. Schweigen macht einsam.
Die Romanfigur Nora will das Schweigen brechen, indem sie zu schreiben beginnt. Wie kommen Sie als Autorin zu Ihren Themen? Schachinger: Die Themen kommen zu mir! Und dies passiert in einer Schnelligkeit und Dichte, dass ich manchmal gar nicht Schritt halten kann mit dem, was in meinem Kopf vorgeht. Es stellt sich dann die Frage, wofür dieser Stoff geeignet ist und welche Form er benötigt. Kann ich diesen Gedanken am besten in einem Gedicht ausdrücken oder passt eine Kurzgeschichte besser? Der Inhalt verlangt einen bestimmte Form, dem will ich nachspüren.
Schriftstellerin zu werden, war das immer schon Ihr Wunsch? Schachinger: Ich erinnere mich an eine Szene in meiner Kindheit: Ich liege unter dem Tisch und denke mir wie so oft eine Geschichte aus. Ich dachte, alle Kinder machen das. Es war ein Aha-Erlebnis für mich, als ich bemerkte, dass dem nicht so ist. Autorin zu werden, das war mir von Kindheit an klar.
Sie schreiben Romane, Kurzgeschichten, Krimis und arbeiten auch wissenschaftlich. Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus? Schachinger: Als Mutter von drei Kindern orientiere ich mich am Schulalltag. Zeit zum Schreiben hab ich dann, wenn die Kinder in der Schule sind. Diese Struktur ist – besonderns in schwierigen Zeiten – sehr hilfreich.
Religion kommt in Ihren literarischen Arbeiten immer wieder vor. Welche Funktion hat Religion für Sie? Schachinger: Religion sollte befreiend wirken und stärken. Sie sollte ehrlicher, offener, toleranter machen. Ich erlebe einen großen Unterschied zwischen Amtskirche und gelebter Religion. Die Amtskirche ist daran orientiert, was ihrer Meinung nach sein soll, und entwirft Lebensschablonen. Es geht um ein Abfragen, ob jemand in dieses vorgegebene Schema passt. Ich frage mich, will ich das, eingepasst oder zurechtgestutzt werden? – Bedaure, nein.
Zur Person
Marlen Schachinger, geb. 1970 in Braunau, lebt in Wien. Studium der vergleichenden Literaturwissenschaften, Germanistik, Französisch. Seit 1999 freiberufliche Autorin, zahlreiche Lesungen im In- und Ausland. Ihr Roman „Nur Du. Allein.“ ist kürzlich im Kitab-Verlag erschienen.
Im Roman geht es um vier Freundinnen, ihre Geheimnisse, ihre Vertuschungen und ihr Unvermögen, das Schweigen zu brechen.