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Ein unterdrücktes Volk

Ausgabe: 2008/26, unterdrücktes Volk, Gebet, Aufruf, Sr. Bertholde Polterauer, Marianhiller Missionsschwestern, Simbabwe, Morgan Tsvangirai, Schlierbach, Bilawayo, Ärzte, Robert Mugabe
25.06.2008
- Susanne Eller
Sr. Bertholde Polterauer lebt seit 47 Jahren in Simbabwe. Die gebürtige Schlierbacherin gibt den hungernden und verzweifelten Menschen in der schwierigen Situation des Landes Mut.

Simbabwe steckt in der Krise. Es fehlt an Essen, Wasser und Strom. Die Inflation und die Arbeitslosigkeit sind hoch wie nie. Viele Simbabwer flüchten, weil sie im eigenen Land keine Perspektiven haben. Seit Jahrzehnten wird die Bevölkerung von Diktator Robert Mugabe, der seit 1980 an der Macht ist, unterdrückt. Er war einst Hoffnungsträger in dem Land, das als Kornkammer Afrikas galt. Doch nach Jahren der Misswirtschaft und Korruption ist Simbabwe am Boden und die Aussichten auf Besserung im Land sind gering. Oppositionsführer Morgan Tsvangirai wird nicht zur geplanten Stichwahl um das Präsidentenamt am 27. Juni antreten. Im Hinblick auf die Gewaltkampagne der Regierung Mugabes gegen die Opposition könne er von seinen Wählern nicht erwarten, dass sie ihr Leben aufs Spiel setzen, sagte er am vergangenen Sonntag.

Verfolgung. Seit der Wahl am 29. März sei die Lage besonders traurig, meint Sr. Bertholde Polterauer vom Orden der Mariannhiller Missionsschwestern vom Kostbaren Blut, die auch in Simbabwe mit Missionsstationen vertreten sind. Die gebürtige Schlierbacherin lebt seit 1961 in dem afrikanischen Land. Sie erzählt, dass jene, die sich kritisch gegen das Regime äußern, vertrieben, verhaftet oder gefoltert werden. „Ich weiß von einem Mann, den sie Heubündel rund um seine Hände gebunden und dann angezündet haben. Seine Hände sind stark verbrannt“, so Sr. Bertholde. Den ehemaligen Erzbischof von Bulawayo, Pius Ncube, will die Regierung mit einer inszenierten Affäre mundtod machen. Als scharfer Kritiker Mugabes fordert Ncube den Rücktritt des Diktators wegen Korruption, Unterdrückung des Volkes und Verfolgung der Opposition. „Die Menschen haben große Hoffnung in die Präsidentenwahl gesetzt, weil sie sich durch einen Machtwechsel Besserung für ihr Land erwarteten“, so die Ordensfrau. Doch nach dem Rückzug der Opposition zur Stichwahl wird Mugabe wohl an der Macht bleiben.

Trost spenden. Verfolgte und verzweifelte Simbabwer suchen und finden oft Trost bei den Mariannhiller Missionsschwestern vom Kostbaren Blut. „Vor etwa einem Jahr hat mir eine junge Frau erzählt, dass ihr Mann sich das Leben nehmen wollte, weil er keinen Ausweg mehr sah“, berichtet Sr. Bertholde. „Herr und Frau Sibanda und ihre vier Kinder hatten nichts zu essen, keine Arbeit und keinen Platz zum Wohnen“, sagt die Missionarin. „Ein halbes Jahr haben wir sie ermutigt, geholfen wo wir konnten. Mittlerweile arbeitet Herr Sibanda mit seiner Frau in einem Jugendzentrum. Dort kümmern sie sich um den Garten, wo sie Gemüse anbauen, das sie auch verkaufen. So tragen sie dazu bei, das Zentrum aufrechtzuerhalten. Inzwischen wurde die ganze Familie getauft und im Jänner 2008 haben die beiden geheiratet“, freut sich Sr. Bertholde. Die vergangenen acht Jahre war sie Oberin im Provinzialhaus in Bulawayo, einer Stadt im Südwesten des Landes. Sie sieht ihren Haupteinsatz darin, der Bevölkerung in Simbabwe Mut zu machen. „Es ist wichtig, dass wir mit den Leuten sind, auch wenn es gefährlich ist. Es würde ja unserer Mission widersprechen, wenn wir jetzt davonlaufen, wo uns die Menschen am meisten brauchen“.

Hilfe. In Simbabwe fehlt es auch an Ärzten und Medikamenten. „Glücklicherweise bekommen wir alle drei bis vier Monate Pakete mit Medikamenten, Kleidung oder auch Lebensmitteln aus Österreich. Durch private Spenden aber z. B. auch durch die Unterstützung des Schlierbacher Missionswerks oder der MIVA konnten wir schon vielen Menschen im Land helfen“, sagt Sr. Bertholde. (Siehe auch \"Kopf der Woche\").



Stichwort


Aufruf zum Gebet

Der Weltkirchenrat (ÖRK) hat zum weltweiten Gebet für Simbabwe aufgerufen. Zur Präsidenten-Stichwahl, die für 27. Juni vorgesehen war, kam es nicht. Aufgrund der Gewaltkampagnen gegen die Gegenpartei sagte Oppositionsführer Morgan Tsvangirai die Wahl ab, um seine Anhänger nicht weiter zu gefährden. In Simbabwe hatte sich in der ersten Wahlrunde am 29. März Tsvangirai zwar nach offiziellen Angaben gegen Amtsinhaber Robert Mugabe durchgesetzt, die nötige absolute Mehrheit aber verfehlt. Mugabe, der mit Gewalt versuchte einen Sieg Tsvangirais zu verhindern, wird an der Macht bleiben.
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