Die österreichischen Bischöfe mahnen die Bundesregierung, die Entwicklungshilfe zu erhöhen und den Irak-Flüchtlingen beizustehen. Das Taufverbot für Laien (Konflikt in Linz) bekräftigen sie.
Auf ihrer Sommerkonferenz in Mariazell haben die österreichischen Bischöfe vergangene Woche mehrere Erklärungen verabschiedet. Zur Zukunft der Seelsorge, einem Hauptthema der Beratungen, halten sie zwei Prinzipien fest: „Es sollen – so weit es sinnvoll und möglich ist – alle Pfarrgemeinden erhalten bleiben; zugleich soll die pastorale Zusammenarbeit über die Pfarrgrenzen hinweg verstärkt werden.“ Was die Taufspendung durch Laien-Seelsorger/innen angeht, stärken die Bischöfe ihrem Amtskollegen Ludwig Schwarz (Linz) den Rücken. Er hatte, entsprechend einer römischen Rechtsauskunft, die von seinem Vorgänger Maximilian Aichern an Pfarr- und Pastoralassistent/innen erteilte Tauferlaubnis zurückgezogen. Die Bischofskonferenz bedankt sich in ihrer Erklärung bei den Pastoralassistent/innen für ihre Mitwirkung bei der Taufvorbereitung. Die Taufspendung sei in der katholischen Weltkirche allerdings nur geweihten Männern vorbehalten, betonen die Bischöfe. Man sehe keine Notwendigkeit, „dass Laien mit der Leitung der Tauffeier beauftragt werden“. Eine solche Beauftragung ist laut Kirchenrecht bei pastoralen Notsituationen möglich. Die Bischöfe sehen diese „Notlage“ trotz Priestermangels nicht gegeben. Nothilfe. Sehr besorgt äußerten sich die Bischöfe zur Situation im Irak. Dort wiederhole sich offenbar die Balkan-Tragödie mit ihren ethnisch-religiösen Säuberungen. Vom unermesslichen Leid der ganzen Bevölkerung seien die Christen und andere religiöse Minderheiten besonders hart betroffen. Die Bischöfe appellieren eindringlich an die Bundesregierung, für Flüchtlinge aus dem Irak eine Aufnahmemöglichkeit zu schaffen. Frankreich oder Deutschland diskutieren bereits eine Aufnahme von verfolgten Christ/innen. Als Vorbild nennen die Bischöfe die „Boat people“-Aktion in den 80er Jahren. Außerdem tritt die Bischofskonferenz für ein Hilfsprogramm für die irakischen Flüchtlinge in Jordanien, Syrien sowie im nordirakischen Kurdengebiet ein. Sie ruft die Regierung auf, eine ähnliche Hilfsaktion wie während des Balkan-Krieges in die Wege zu leiten.
Aufforderung. Die aktuelle weltweite Hungerkrise nahmen die österreichischen Bischöfe zum Anlass, die Bundesregierung aufzufordern, ihre Verpflichtungen einzuhalten und die Mittel für die Entwicklungszusammenarbeit bis 2010 auf 0,51 Prozent (BNE) und bis 2015 auf 0,7 Prozent aufzustocken. Diese zusätzlichen Mittel, so fordern die Bischöfe, müssen für die Bekämpfung von Hunger und Armut eingesetzt werden. Nur so könnten die UNO-Millenniumsziele erreicht werden.
Absage. Eine Absage erteilten die Bischöfe dem von Justizministerin Maria Berger zur Begutachtung ausgesandten Entwurf für ein neues Lebenspartnerschaftsgesetz. Dieser Entwurf bedeute eine De-facto-Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Lebenspartnerschaften mit der Ehe. Die Bischöfe sehen darin eine Benachteiligung der Ehe. Diese stehe ja deshalb unter dem besonderen Schutz des Staates, weil „sie auf Familiengründung hin ausgerichtet ist und mit der Zeugung und Erziehung der Kinder gesellschafts- und staatstragend wirkt“. Anstatt Ehe und Familie auszuhöhlen, sollte die Regierung diese besser als bisher unterstützen, fordern die Bischöfe.
Krisenfeuerwehr. Befasst haben sich die Bischöfe auch mit den Turbulenzen in der Diözese Gurk-Klagenfurt. Dort hatten führende Geistliche Kritik am Führungsstil von Bischof Alois Schwarz geübt. Sie warfen ihm „Klüngelwirtschaft“ vor und eine gestörte Gesprächsbasis zu weiten Teilen des Klerus. Offenbar haben Kardinal Christoph Schönborn und Erzbischof Alois Kothgasser vermittelnd eingegriffen, um in der Diözese das Gesprächsklima zu verbessern und Konflikte abzubauen. Schwarz soll sich laut „kathpress“ für diese „brüderliche Mitsorge“ bedankt haben.