Am vergangenen Sonntag wurde der gebürtige Jordanier Fouad Twal (67) in der Jerusalemer Grabeskirche in sein Amt eingeführt. Als lateinischer Patriarch von Jerusalem ist er Bischof für die rund 100.000 Katholiken in Israel, den Palästinensergebieten, Jordanien und Zypern. Die Stabübergabe von Michel Sabbah, der als erster Palästinenser 20 Jahre lang das Patriarchat geleitet hatte, an seinen bisherigen Koadjutor wird mit Spannung beobachtet. Sabbah hatte durch seine klaren Stellungnahmen zum Nahostkonflikt und sein Eintreten gegen die israelische Besatzung Palästinas immer wieder für Zündstoff in den israelisch-vatikanischen Beziehungen gesorgt. Beobachter vermuten, dass man ihm auch deshalb vor drei Jahren den gelernten Vatikan-Diplomaten und damaligen Erzbischof von Tunis, Fouad Twal, als Koadjutor zur Seite gestellt hatte. Aber auch Twal machte deutlich, dass die Kirche nicht schweigen kann, wo Menschen leiden, wo Unrecht und Gewalt geschehen. So fordert Twal u. a. die „Beseitigung der Trennungsmauer“, einen Frieden, der auf Gerechtigkeit und nicht auf Macht beruht, und einen eigenen Palästinenserstaat (s. KiZ 14/2006).