Hochfest der Apostel Petrus und Paulus, 29. Juni 2008
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25.06.2008
Der eine ein galiläischer Fischer, herausgerufen aus seinem Alltagsleben und von den allerersten Anfängen an dabei. Der andere ein theologisch ausgebildeter Mann, gefürchteter Verfolger der ersten Gemeinden, herausgeworfen aus seinem Leben durch eine Begegnung. Beide wissen sich gesandt, die Botschaft Jesu, des Auferstandenen, zu verkünden.
1. Lesung
Apg 12, 1–11
Um jene Zeit ließ der König Herodes einige aus der Gemeinde verhaften und misshandeln. Jakobus, den Bruder des Johannes, ließ er mit dem Schwert hinrichten. Als er sah, dass es den Juden gefiel, ließ er auch Petrus festnehmen. Das geschah in den Tagen der Ungesäuerten Brote. Er nahm ihn also fest und warf ihn ins Gefängnis. Die Bewachung übertrug er vier Abteilungen von je vier Soldaten. Er beabsichtigte, ihn nach dem Paschafest dem Volk vorführen zu lassen. Petrus wurde also im Gefängnis bewacht. Die Gemeinde aber betete inständig für ihn zu Gott. In der Nacht, ehe Herodes ihn vorführen lassen wollte, schlief Petrus, mit zwei Ketten gefesselt, zwischen zwei Soldaten; vor der Tür aber bewachten Posten den Kerker. Plötzlich trat ein Engel des Herrn ein, und ein helles Licht strahlte in den Raum. Er stieß Petrus in die Seite, weckte ihn und sagte: Schnell, steh auf! Da fielen die Ketten von seinen Händen. Der Engel aber sagte zu ihm: Gürte dich, und zieh deine Sandalen an! Er tat es. Und der Engel sagte zu ihm: Wirf deinen Mantel um, und folge mir! Dann ging er hinaus, und Petrus folgte ihm, ohne zu wissen, dass es Wirklichkeit war, was durch den Engel geschah; es kam ihm vor, als habe er eine Vision. Sie gingen an der ersten und an der zweiten Wache vorbei und kamen an das eiserne Tor, das in die Stadt führt; es öffnete sich ihnen von selbst. Sie traten hinaus und gingen eine Gasse weit; und auf einmal verließ ihn der Engel. Da kam Petrus zu sich und sagte: Nun weiß ich wahrhaftig, dass der Herr seinen Engel gesandt und mich der Hand des Herodes entrissen hat und all dem, was das Volk der Juden erhofft hat.
2. Lesung
2 Tim 4, 6–8. 17–18
Denn ich werde nunmehr geopfert, und die Zeit meines Aufbruchs ist nahe. Ich habe den guten Kampf gekämpft, den Lauf vollendet, die Treue gehalten. Schon jetzt liegt für mich der Kranz der Gerechtigkeit bereit, den mir der Herr, der gerechte Richter, an jenem Tag geben wird, aber nicht nur mir, sondern allen, die sehnsüchtig auf sein Erscheinen warten. [. . .] Aber der Herr stand mir zur Seite und gab mir Kraft, damit durch mich die Verkündigung vollendet wird und alle Heiden sie hören; und so wurde ich dem Rachen des Löwen entrissen. Der Herr wird mich allem Bösen entreißen, er wird mich retten und in sein himmlisches Reich führen. Ihm sei die Ehre in alle Ewigkeit. Amen.
Evangelium
Mt 16, 13–19
Als Jesus in das Gebiet von Cäsarea Philippi kam, fragte er seine Jünger: Für wen halten die Leute den Menschensohn? Sie sagten: Die einen für Johannes den Täufer, andere für Elija, wieder andere für Jeremia oder sonst einen Propheten. Da sagte er zu ihnen: Ihr aber, für wen haltet ihr mich? Simon Petrus antwortete: Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes! Jesus sagte zu ihm: Selig bist du, Simon Barjona, denn nicht Fleisch und Blut haben dir das offenbart, sondern mein Vater im Himmel. Ich aber sage dir: Du bist Petrus, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen, und die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen. Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben; was du auf Erden binden wirst, das wird auch im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, das wird auch im Himmel gelöst sein.
Bilder und Worte finden
Vieles hatten die Jüngerinnen und Jünger mit Jesus erlebt, vieles hatten sie die Menschen über Jesus reden hören. „Ihr aber, für wen haltet ihr mich?“ – so direkt kommt die Frage Jesu daher. Welche Bilder können die eigene Beziehung zu Jesus beschreiben, welche Worte aussagen, wer Jesus für Christ/inn/en ist . . .
Wer Glauben hat . . .
Wer Glauben hat, zittert nicht. Überstürzt nicht die Ereignisse. Ist nicht pessimistisch eingestellt. Verliert nicht die Nerven. Glauben – das ist Heiterkeit, die von Gott kommt.
nach Papst Johannes XXIII.
Wort zum Sonntag
Wer dieser Jesus für die Christen ist
Auf die Frage wer Jesus ist, gibt es von damals bis heute die unterschiedlichsten Antworten. Sicher ist, dass er viele Menschen begeistert und fasziniert hat. Damals wie heute wird von ihm geredet als begnadetem Prediger und Wunderheiler, als Prophet oder Mensch mit besonderer Ausstrahlung und einer besonderen Beziehung zu Gott. Die einzigartige Beziehung Jesu zu Gott, sein Wesen, und wer er hier auf Erden war, das ist nur für einen gläubigen Menschen nachvollziehbar. Als Christen drücken wir diese Glaubensüberzeugung mit den Begriffen „Gesalbter“ und „Sohn Gottes“ aus. Es geht um die Beziehung, die zwischen Gott und Jesus besteht. Wenn Petrus gefragt wird: „Für wen aber haltet ihr mich?“, dann gilt diese Frage jedem Christen, bis heute. Damals waren sich wohl alle einig, dass er nicht der Messias sei. Er gab sich mit den Zöllnern und Sündern ab, legte sich mit den religiösen Machthabern an, war aber keineswegs ein machtvoller König, der für politische Gerechtigkeit sorgte. Heute sind sich viele einig, dass seine Botschaft die Welt nicht wirklich verändert hat. Das Böse in dieser Welt ist nicht verschwunden, und viele Christen leben auch weit davon entfernt, die Welt zu verbessern. Wer war er also? Der Gesalbte (hebräisch Messias und griechisch Christus) wurde zum Eigennamen für Jesus und nimmt die Messiasvorstellung des Judentums auf, wandelt sie aber in eine stellvertretende Erlösungstat. Der Sohn des lebendigen Gottes ist ein neuer Begriff und deutet auf die einzigartige Beziehung zu Gott hin und qualifiziert ihn selbst als Gott in dieser Welt. Nur durch dieses Bekenntnis war es möglich, dass Petrus zum Nachfolger und Leiter der Jüngerschar wurde. Nur durch unser Bekenntnis zu Jesus als Gott in dieser Welt werden wir seine Botschaft verstehen und in ihrer Tragweite erspüren.
Zum Weiterdenken
Wer ist Jesus für dich? Ein wunderbarer Mensch? Du weißt es nicht? Wenn dir Jesus gegenübertritt, welche Antwort gibst du ihm?
Martin Schachinger, Pfarrassistent, Leiter des Aufbaus der neuen Seelsorgestelle Linz solarCity, Gemeindeberater und Supervisor; verheiratet und Vater von Nathalie und Niklas.