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… nicht mehr zum Aushalten

Die Bereitschaft zu verzeihen und trotz allem „ja“ zum Partner zu sagen, kann Kraft geben
Ausgabe: 2008/26, Harant, Bereitschaft zu verzeihen, verzeihen, Partner, Herabsetzung, Partnerschaft, Schweigen, Glaube, Gebet
25.06.2008
- Franz Harant
Aus der Praxis: „Die Atmosphäre in diesem Haus ist nicht mehr zum Aushalten. Schon lange ist es so. Man steht in der Früh auf und abends geht man ins Bett und den ganzen Tag ist kein einziges Wort geredet worden, und wenn, dann waren es grobe Worte.“ Damit begann die anonyme Anruferin ihr Leid zu klagen. Sie sprach davon, dass ihr Mann kein Interesse daran hat, mit ihr etwas zu besprechen oder gemeinsam zu tun. Die beiden sind schon alt. Die Frau kann sich nicht vorstellen, dass sich noch etwas ändert. Ein Beratungsgespräch ist aussichtslos. Ihr Mann würde ohnehin nicht mitkommen und sie selbst ist nicht mobil. Sich zu trennen, kann sie sich aus religiösen Gründen nicht vorstellen, hat sie doch versprochen, in guten und schlechten Tagen treu zu bleiben, bis der Tod sie scheidet. Kraft zum Durchhalten, sagt sie, gibt ihr der Glaube.



Diese Frau fühlt sich von ihrem Mann ständig herabgesetzt. Nach ihrer Schilderung peinigt er sie und scheint das sogar gezielt und mit Lust zu tun. So wie die Frau ihre endlose Leidensgeschichte erzählt, weckt sie Mitgefühl.

Ein neuer Aspekt für sie war, als ich sie fragte: „Warum ist er so geworden?“ Sie erzählte, dass ihr Mann von Kindheit an Probleme mit seinem Selbstwert hatte. Stark fühlt er sich immer nur dann, wenn er seine Macht zum Beispiel durch Schweigen ins Spiel bringt, gerade weil er ja weiß, dass er seine Frau damit am meisten verletzen kann.

Das Gute sehen. Sind nicht beide Opfer, denn beide leiden an einem Leben, das ihnen den Blick aufeinander verstellt? Es ist anzunehmen, dass in der Lebensgeschichte dieser beiden Menschen zumindest am Beginn, vielleicht auch später, gute Erfahrungen auszumachen sind. Es könnte für die Frau eine Hilfe sein, sich dies vor Augen zu halten, wenn es wieder besonders schwer ist, ihren Mann zu ertragen. Immerhin hat sie auch ein wenig Verständnis für sein so Gewordensein geäußert.

Glaube motiviert fürs Leben. Die Negativdynamik zu verlassen, sich als Opfer eines böswilligen Peinigers zu fühlen, kann ein hilfreicher und befreiender Weg sein, besonders wenn es dazu eine religiöse Motivation gibt. Die christliche (Feindes-)Liebe und Bereitschaft zum Verzeihen kann in diesem Fall eine Art und Weise sein, das Sakrament der Ehe zu leben. Diese Art der Liebe, die trotz allem Ja zum Partner sagt, kann für glaubende Menschen tatsächlich aus der Gottesbeziehung möglich werden und sogar Kraft geben.

Gebet entlastet. Mit Gott über den Partner reden, für ihn zu beten, wo die Spannung miteinander nicht aufzulösen ist, wo Beziehung brüchig geworden ist, wo Worte nichts mehr ausrichten, kann entlasten. Jesus betete am Kreuz für seine Peiniger. Wer für den Partner betet, schaut mit anderen Augen auf ihn und begegnet ihm anders. Es entsteht dadurch eine Haltung, die leben lässt. Man kann wieder auf(er)stehen und neue Würde gewinnen. Es werden Kräfte freigesetzt, das Leben (neu) zu gestalten. Wenn schon kein gutes Miteinander möglich ist, dann kann zumindest ein respektvolles Nebeneinander erreicht werden.
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