In der Früh ein paar Meter zum Auto. Am Abend zurück. Der Anteil an Zeit, den ein Mitteleuropäer in freier Natur verbringt, ist gering geworden. Viel häufiger bewegt er sich – und viel sicherer fühlt er sich – in künstlich geschaffenen Welten. Was an Natur noch übrig bleibt, wird zurechtgerichtet. Die Natur soll sich in von Menschen erdachten Bahnen halten: klar abgegrenzte Beete im Garten, Bäume und Sträucher speziell gezüchtet zur Dekoration. Selbst die Tierwelt wird solchen Kriterien unterworfen.
Es ist Sommer. Und plötzlich wollen alle wieder Natur – möglichst pur. Unberührt soll sie sein, möglichst für mich allein. Immer mehr Kilometer nehmen Menschen in Kauf, um sie zu finden – und „verbrauchen“ sie so.
Die Ferien können Anlass sein, der Natur zu ihrem Recht zu verhelfen. Auch das oft gemarterte Stück Natur vor der eigenen Tür verdient Würdigung. Beim Barfußgehen lässt es sich spüren. Es ist wie eine geistliche Übung. Da spürt man die Erde unter den Füßen, den Boden, der durch das Leben trägt. Wie wir auf der Erde auftreten – behutsam oder im gestiefelten Trampelschritt, hat mit menschlicher Haltung zu tun. Es geht um Auftreten in Achtsamkeit. Sonst tritt man nur nieder – und tut sich selbst weh damit.