Ausgabe: 2008/27, Kopf der Woche, Dr. Karin Kneissl, Kneissl, Naher Osten
02.07.2008
- Hans Baumgartner
Am vergangenen Donnerstag in der ZiB, am Freitag in St. Virgil – wenn der Nahe Osten Thema ist oder über Religionskonflikte gesprochen wird, gibt Karin Kneissl Auskunft.
„Ich versuche, bewusst in die Patschen anderer zu steigen, wenn ich deren Sorgen, Ängste oder Anliegen verstehen will“, sagt Karin Kneissl. Deshalb hat sie nach ihrer Matura bei den Dominikanerinnen in Wien neben Jus auch Arabistik und Hebräisch studiert. „Denn die Sprache ist die beste Voraussetzung, um Menschen verstehen und begreifen zu lernen“, ist Kneissl überzeugt. Und die Menschen im Nahen Osten verstehen und etwas Sinnvolles für sie tun, das wollte sie, seit sie als 17-Jährige den Ausbruch des libanesischen Bürgerkrieges als Kindermädchen in Frankreich sehr intensiv erlebt hat. Dem Libanon gilt bis heute ihre große Zuneigung. Seit vielen Jahren fährt sie hin – auch in schwierigsten Zeiten – um junge Studenten zu unterrichten. Im Laufe der Jahre wurde ihr der Orient so etwas wie eine zweite Heimat. Sie hat dort viele Freunde und musste mit wachsender Sorge feststellen, wie stark politische, soziale oder wirtschaftliche Konflikte religiös eingefärbt wurden.
Dankbar. Nach ihren Studien in Wien, Paris, Georgetown und Jerusalem hat Kneissl von 1990 bis 1998 im Diplomatischen Dienst gearbeitet. Seither ist sie als Universitätslektorin, Vortragende und freie Publizistin (z. B. „Die Gewaltspirale“, ecowin, 2007) tätig. Sie setzte sich bei CSI für verfolgte Christ/innen ein und hat „Ärzte ohne Grenzen“ mitbegründet, auch „aus Dankbarkeit, dass es mir hier in Österreich gut geht“. Der Glaube, sagt Kneissl, „gibt mir einen großen Rückhalt. In vielen Lebenssituationen habe ich Gottes Schutz ganz intensiv erfahren.“