Wer Ohren hat, der höre. Mir gefällt der Abschluss, den Jesus seinem Gleichnis vom Sämann gibt. Das Gleichnis ist ja auf das erste Hinhören hin aus sich selbst verständlich. Besser gesagt: wie ein Computer-Virus wirkt das Gleichnis weiter. Bei mir zumindest ist das so. Ich beginne nachzudenken, ich finde meine Lebenswelt darin wieder, es deutet mir Erfahrungen, die ich Tag für Tag habe. Das Gleichnis entwickelt in meinem Kopf ein Eigenleben wie ein Virus, nur dass er nicht mein „System“ zum Absturz bringt, sondern mich auf eine neue Wirklichkeit „umprogrammiert“, die ich bis jetzt noch nicht so gesehen habe.
Es ist doch so: die Früchte meiner täglichen Aussaaten entziehen sich meiner Verfügungsgewalt. Das beginnt bei der Erziehung meiner Kinder, bei meinen Freund/innen und Bekannten und endet in meinem beruflichen Umfeld. Auch Lehrer/innen können ein Lied davon singen: gut vorbereitete Stunden gehen daneben, während eine ganz nebensächliche Bemerkung, die sie selber gleich wieder vergessen, bei einzelnen Schüler/innen eine tiefe Wirkung haben. Manche Initiativen gehen voll auf, andere werden zu Teilerfolgen, wieder andere sind in den Sand gesetzt. Nachdem er dem Volk das Gleichnis erzählt hat, befragen die Jünger Jesus, weshalb er in Gleichnissen lehre. Er antwortet, dass Gleichnisse für das Volk bestimmt sind, weil dieses zwar hört, aber nicht versteht. Das hat nicht nur mit dem Bildungsstand zu tun, sondern eher mit der Bereitschaft, sich ansprechen und verändern zu lassen. Wir kennen das auch aus unserer Erfahrung. Deshalb setzt Jesus ihnen mit seinem Gleichnis gleichsam einen Virus ins Ohr, im Vertrauen, dass die Saat aufgehen wird.
Zum Weiterdenken
Wie der Sämann im Gleichnis säen auch wir Tag für Tag unsere Saat aus und haben es nicht unter unserer Kontrolle, welche Frucht sie tragen wird. Das Gleichnis entlastet und nimmt Druck von uns als Eltern, Lehrer/innen, Seelsorger/innen und Christ/innen weg. Wir können uns darauf verlassen, dass der Virus des Evangeliums noch heute wirkt.
Hans A. Rapp ist Leiter des Kath. Bildungswerkes Vorarlberg. Den Autor erreichen Sie unter sonntag@kirchenzeitung.at