Die weltweite Wirtschaft sozial gerecht und demokratisch zu gestalten – dafür setzt sich die internationale Bewegung Attac ein. Die Organisation feiert heuer ihr 10-Jahre-Jubiläum.
Der wachsende technische Fortschritt und die Liberalisierung des Welthandels haben wesentlich dazu beigetragen, dass die Welt stetig näher zusammenrückt. Die internationalen wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Beziehungen verflechten sich mehr und mehr. Nutznießer dieser Globalisierung sind vor allem die Mächtigen der internationalen Finanzmärkte und der Großkonzerne, die durch die Öffnung der Märkte mit ihren Geschäftsbeziehungen hohe Gewinne erzielen. Auf der Strecke bleiben jene Menschen, die aufgrund der vorherrschenden negativen Entwicklung der Weltwirtschaft zunehmend an Arbeits- und Menschenrechtsverletzungen, steigenden Umweltbelastungen und Ressourcenverbrauch, Hunger und Armut leiden. Die Schere zwischen Armen und Reichen klafft weltweit immer weiter auseinander.
Gerechte Verteilung. Die Organisation Attac setzt sich seit zehn Jahren dafür ein, diesem globalen Wirtschaftstrend gegenzusteuern. Der Blick der internationalen Bewegung richtet sich darauf, die weltweite Wirtschaft demokratisch und sozial gerecht zu gestalten, um den Bedürfnissen aller Menschen langfristig Rechnung zu tragen und eine global nachhaltige Entwicklung zu ermöglichen, die auf gerechte Verteilung ausgerichtet ist. Attac Österreich legt die Finger beispielsweise auf jene Wunden, die im Bereich der Steuergerechtigkeit bluten. „Österreich macht hier eine fatale Politik und ist beim internationalen Steuerwettlauf ganz klar mit dabei. Es setzt andere Länder unter Druck, damit sie ihre Steuern senken. Das hat natürlich zur Folge, dass der Sozialstaat abgebaut wird, dass öffentliche Dienstleistungen verkauft und privatisiert werden und dass der soziale Ausgleich, für den der Staat eigentlich zuständig wäre, ihn mit Steuern zu schaffen, mit dieser Art von Politik nicht mehr möglich ist“, sagt Heinz Mittermayr, Mitarbeiter von Attac Oberösterreich. Damit die Schere zwischen Arm und Reich in Österreich nicht noch weiter auseinandergehe, fordere Attac die österreichische Politik auf, die fehlgeschlagene Budget- und Steuerpolitik zu ändern. „Es kann nicht sein, dass Vermögen und Gewinne so wenig zum Steueraufkommen beitragen und im Unterschied dazu der Faktor Arbeit so stark belastet ist“, beanstandet Mittermayr.
G8-Gipfel. Themen wie Armut oder Klimaveränderungen stehen auch heuer wieder auf der Tagesordnung des G8-Gipfels, der von 7. bis 9. Juli in Toyako in Japan stattfinden wird. Doch es sei gerade diese Politik der wirtschaftlich mächtigsten Länder der Welt, die zum derzeitigen problematischen sozialen und ökologischen Ungleichgewicht auf Erden beiträgt, meint Heinz Mittermayr kritisch. „Die Regierungschefs der G8-Staaten treffen sich jährlich, um ihre Interessen weiter zu betreiben. Konkrete Schritte um z. B. eine Energiepolitik zu realisieren, die auf Nachhaltigkeit ausgerichtet ist, werden dabei nicht gesetzt.“
www.attac.at
ZUR SACHE
Netzwerke schaffen
Attac Österreich ist der nationale Zweig einer internationalen Bewegung zur demokratischen Kontrolle der Finanzmärkte. Gegründet wurde die Organisation 1998 in Frankreich. Mittlerweile sind in Afrika, Nord- und Südamerika und Europa 19 Netzwerke gebildet worden. Wirtschaftspolitische Zusammenhänge aufzuzeigen zählt zu einem der wichtigsten Ziele von Attac. Das geschieht anhand von Pressearbeit, Vorträgen, Kampagnen oder Aktionen. „Wir arbeiten auch mit verschiedenen Organisationen aus den unterschiedlichsten Bereichen zusammen wie etwa mit der Katholischen Aktion. So versuchen wir Netzwerke zu schaffen, um gemeinsam politisch etwas bewirken und verändern zu können“, so Heinz Mittermayr, der nicht nur bei Attac, sondern auch bei der Katholischen Arbeitnehmer/innenbewegung (KAB) in Linz tätig ist. „Mir ist wichtig, eine Verknüpfung zu schaffen zwischen den Botschaften der Kirche und den Botschaften von Attac“, sagt Mittermayr. „Für mich ist der Leitspruch der Sozialforumsbewegung ,Eine andere Welt ist möglich‘ nichts anderes als die Übersetzung ,das Reich Gottes bricht an‘. Es ist unser Auftrag, dass wir in unserem Wirken ein Stück weit Heil schaffen und uns nicht mit dem fatalen System, in dem wir stecken, abfinden. Wenn es darum geht, dass die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer werden, muss auch die Kirche klar Position beziehen und die eigenen Botschaften, wie sie z. B. im ökumenischen Sozialwort der Kirchen stehen, ernst nehmen.“
Heinz Mittermayr ist Koordinator von Attac Oberösterreich.