„Es reicht“, sagte der Vizekanzler. Es reicht – das befanden dann offenbar auch der Regierungspartner und die anderen Parteien, denn sonst hätte sich der Nationalrat nicht einstimmig selber aufgelöst.
Es reicht – diesem Satz werden wohl auch viele Bürger/innen zustimmen. Warum „es reicht“ – darin dürften allerdings die Meinungen nicht nur zwischen den Parteien, sondern auch zwischen der Bevölkerung und der politischen „Elite“ auseinandergehen. Susi und Otto Normalverbraucher haben dieses Kasperltheater, bei dem jeder auf den anderen eindrischt und keiner am anderen was Gutes lässt, schon lange satt. Sie, die es im Alltag gelernt haben, Kompromisse einzugehen, die keineswegs faul sein müssen, verstehen nicht, warum das ihre Volksvertreter/innen nicht können oder wollen.
Niemand hat in politischen Dingen die Wahrheit allein gepachtet, sagt die katholische Soziallehre. Und deshalb ist auch nicht jeder, der einen Kompromiss eingeht, ein „Umfaller“, auch wenn das in der immer beliebteren Schwarz-Weiß-Malerei mancher Medien und Parteisekretariate lautstark getrommelt wird. Auch das haben die Leute satt, denn sie wissen, die Welt ist nicht schwarz-weiß und viele Probleme lassen sich nur irgendwo dazwischen lösen. Und Lösungen – das ist es, was die Menschen von der Politik in einer sich rasant verändernden Welt erwarten. Sie haben es satt, dass sie mit ihren Problemen allein gelassen werden. So satt, dass sie vielleicht nicht mehr zur Wahl gehen – und damit einem der ärgsten Rabauken zum weiteren Aufstieg verhelfen.